B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 3 (3.1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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61 daß im Laufe des letzten Jahres keine Nummer der Großlogenberichte ohne Frauenbeilage erschienen ist, — Wir sehen, daß die Tätigkeit der Frauenvereinigungen mit der Diskussion über diese Vereinigungen gleichen Schritt hält und wir sehen auch, inwieweit Brüderkreise den Arbeiten der Schwestern Interesse entgegenbringen und auf Organisation und Reorganisation Einfluß zu nehmen suchen. Und in diesem Sinne schon schien es angezeigt, über den erwähnten Diskussionsabend der Prager Frauenvereinigung zu referieren und gleichzeitig damit auf das vorjährige Referat (B. B.-Mitteilungen unseres Distriktes 1924, S. 63 ff) über „Frauenlogen" zu verweisen. Die hier geführte Diskussion gewinnt aber ein besonderes Interesse durch zwei Artikel, die die eben zitierte Nummer 1 der deutschen Großlogenmitteilungen enthält. Der erste dieser Artikel ist ein offener Brief des Bruders Rudolf Leszynsky an Frau Dr. Eschelbacher, die bewährte und verehrte Vorsitzende der Frauenvereinigungen der deutschen B. B.¬ Logen. Des Interesses wegen, das dieser Brief für die hier diskutierte Frage hat, sei er hier im Wortlaute abgedruckt: Sehr geehrte Frau Dr. Eschelbacher! Manche Probleme werden buchstäblich totgeredet. Man erörtert das Für und Wider so lang-e, bis Freund und Feind die Lust verliert und froh ist, unter die nun langweilig gewordene Diskussion einen Strich zu machen. So ist es mit der Frauenfrage im Orden gegangen. Man hat das in der letzten Großlogentagung gesehen. Wenn nur das Wort „Frauenfrage" fiel, fing alles an, unruhig zu werden. Nachdem das Problem totgeredet ist, wird es totgeschwiegen. Das ist der Lauf der Welt. Aber auch totgeschwiegene Probleme bleiben Probleme. Werden sie nicht gelöst, dann sind sie wie eine schwelende Flamme unter der Asche. Es besteht die Gefahr, daß die Frauen, denen die Loge das Recht auf Mitarbeit nicht gibt, die Lust am Logenleben verlieren — und ihre Männer nach sich ziehen —, daß sie sich anderen Aufgaben zuwenden, und dem Orden wertvolle Kräfte verloren gehen. Das aber ist nicht im Interesse des Ordens. Also weiter reden? Weiter diskutieren? Das hätte wenig Sinn. Wo die Rede versagt, muß die Tat, die mehr ist als das Wort, vorangehen. Den Weg hierzu hat Br. Prof. Werner in der einzig praktisch verwirklichbaren Anregung auf der letzten Großlogentagung gewiesen. Wissen Sie, daß es in Konstantinopel eine Bnoth Brith-Loge Mirjam Nr. 678 gibt? Ist Ihnen bekannt, daß in Beiruth und Belgrad derartige Logen im Entstehen begriffen sind? Aufgebaut auf den Statuten der Bne Ibiss-Logen, mit ihrem Ritual und ihren Gesetzen, installiert von dem Großpräsidenten des Distrikts, bezw. dessen Vertretern? Es ist nichts weiter nötig als der Mut, anzufangen. Berufen Sie eine Versammlung von 10—20 Damen ein. Es brauchen nicht nur Frau im bisheriger Logenbrüder zu sein, es sollen auch Unverheiratete, auch dem Logenleben bisher Fernstehende dabei sein, denn nicht die Eignung des Mannes oder des Vaters, sondern die Persönlichkeit der Frau ist das Entscheidende. Beschließen Sie, sich unter der Qrdensdevdse zu vereinigen! Geben Sie sich die Statuten der Loge, die ja bekannt sind, ebenso wie das Einführungsritual, auf das es ja wohl kein deutsches Reichspatent gibt! Und dann stellen Sie den Antrag auf Erteilung eines Freibriefes bei der Großloge!