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B'nai B'rith · 1925-03-01 · 3 (3.1925) · p. Seite 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
3 (3.1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58 beim Einfügen in das Ganze, vielfach veranlaßt werden; es gilt das wahre Verständnis für die Forderungen der Loge zu wecken. Denn diese lassen sich schwer definieren oder umschreiben, sie wollen seelisch erfaßt und gefühlt sein.. Die Devise zu ihrer Erfüllung mag vielleicht ein schöner Ausspruch Hermann Cohens geben: „Betrachte deine Person nicht in ihrer empirischen, rassenhaften oder geschichtlichen Isoliertheit, betrachte dein Ich als Träger der weltgeschichtlichen Idee der Menschheit. Denn die Menschheit ist der Selbstzweck des Mensche n." Keine starren Gesetze, keine Dogmen sind zu befolgen, der Bruder soll die Zeichen unserer Zeit, er soll das Menschenleid und die innere, geistige Not der Menschen, der Juden vor allein, gewahr werden; er soll im Hinblick darauf Stoff. Weg und Ziel unseres Logenstrebens werten und mit Selbstkritik prüfen, ob die eigene Werktagsethik und Festtagsethik sich gleichen, um nach richtiger Prüfung und Wertung die sozialethischen Imperative der Loge zur eigenen Gewissenssache zu machen. Hier nimmt dann die Synthese von Bruder und Loge ihren Anfang. Es treten jene Wechselwirkungen in Erscheinung, die das soziale Phänomen der Pflicht und das individuelle des Gewissens in ihrer Verbindung entstehen lassen. Wenn die gemeinsame Arbeit aber wirklich Früchte tragen soll, muß sich zur Erfüllung herantretender Pflichten noch ein Zweites gesellen, der initiative Aktivismus des Einzelnen. Die Pflicht ist ..die Forderung des Tages", ist relativ und wandelbar. Wenn aber Hermann Cohen in seinem Postulat die Menschheit als große Einheit fordert, in der jeder Einzelne als Träger des allgemein Menschlichen gilt, so geht das sittliche Moment, das hier zutage tritt, über den Pflichtbegriff hinaus. Was dieser Forderung zugrunde liegt, ist das Bewußtsein e i g e n e r M tusche n w ü r d e, für die es kein soziales Gebot gibt. Ihr muß auch der Aktivismus des Bruders entspringen, der Wille, von seiner Persönlichkeit, von seinem inneren Eeichtum der Loge zu geben, soviel er vermag. Auch hier ist der Weg vom Individuum zur Gesamtheit zu erkennen. Menschenwürde ist individuell, sie ist. wie Wilhelm Jerusalem sagt. ..die ausschließlich in uns gelegene Verbindlichkeit, die aus dem Bewußtsein persönlichen Eigenwertes hervorgeht, ist die sittliche Autonomie und Souveränität'". Sie führt aber letzten Endes doch wieder zur Idee1 der ganzen Menschheit, zur Ordensidee. Denn wer vom Eigenwert des Einzelnen durchdrungen ist und diesen nicht als Mittel, sondern als Selbstzweck gesehen wissen will, wird in der eigenen Menschenwürde auch die höhere Forderung begreifen, für Menschenrechte und das allgemein Menschliche zu kämpfen. Die Menscheitsiclee ist heute nur Hoffnung, Sehnsucht und Streben, sie ist, soziologisch gesprochen, i n u n s. in denen, die sie der Verwirklichung näher bringen wollen, sie ist noch nicht über un s. noch nicht soziale Macht. Aber als ethische Macht will sie schon heute eine gemeinsame Plattform für die Brüder schaffen, die Brücke finden zwischen Freiheit und Notwendigkeit. Die heterogenen Elemente, die eine Loge in sich schließt, sollen ein jedes in seiner Individualität die Eigenart des anderen, die fremde Überzeugung achten und nach Klä-

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