B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 2 (2.1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Wirkungen, die sie ausüben, beurteilt wird; sie sind durch andere Mittel, die den gleichen Zweck erfüllen, zu ersetzen; sie haben einen Marktpreis, der häufig wechselt, Was dagegen über jeden Preis erhaben ist, wofür kein Äquivalent, kein Ersatzmittel zu finden ist, hat inneren Wert oder Würde und ist Gegenstand der Achtung. Die Gesetzgebung, die allen Wert bestimmt, desgleichen die ihr gemäße Gesinnung hat Würde, hat einen unbedingten, unvergleichbaren Wert und verleiht ihren Subjekten, den zur Moralität veranlagten Wesen, den erhabenen Vorzug, Selbstzweck zu sein." Also ist — sagt Kant — die Sittlichkeit und die Menschheit, sofern sie der Sittlichkeit fähig ist, dasjenige, was allein Würde hat. Für all die fruchtbaren Gedanken, welche diese Formel des Kantschen Sittengesetzes enthält, lassen sich analoge, allerdings nur gelegentlich vorgetragene, aber nicht zu einem festen System ausgebaute Sentenzen in Hülle und Fülle aus dem jüdischen Schrifttum erbringen. So finden wir z. B. den Kantschen Gedanken von der Menschheit im Menschen im Talmud (Mischna Sanhedrin IV, 5): Einen einzigen Menschen erschuf Gott, damit es ihm zum Bewußtsein komme, daß er eine Welt für sich bildet und den ganzen Wert und Zweck der Welt in sich trägt. .,Ein jeder mag nun sagen: mir zulieb ist die ganze Welt erschaffen worden." „Ein einziges Menschenleben (in Israel) erhalten, heißt so viel wie eine ganze Welt erhalten: ein einziges Menschenleben verderben, heißt so viel wie eine ganze Welt vernichten." Wir finden ferner bei den Tanaiten im Talmud den allerdings von den griechischen Stoikern entlehnten Gedanken, daß der Mensch eine Welt im Kleinen ist, in welchem die Welt im Großen nachgebildet ist. Der Mensch der ethische Mikrokosmos, die Menschheit der ethische Makrokosmos. (Aboth di R. Nathan c. 31.) Der Mensch wird zu der alles überragenden Persönlichkeit durch seine geistig-sittliche Natur, dadurch, daß er in seinem Geiste, in seiner reinen und praktischen Vernunft „das Ebenbild der Gottheit" zur Verwirklichung bringt. Die Vernunft hebt den Menschen über das Reich der mechanischen Natur hinaus und versetzt ihn in ein höheres, intellektuell-sittliches Reich, in das Reich der Freiheit, — und diese eben begründet seine Persönlichkeit. „Wert ist der Mensch," — sagt R, Akiba (Aboth III, 14) — „der im Ebenbilde Gottes geschaffen wurde; ein noch höherer Vorzug wurde ihm zuteil, indem es ihm zum Bewußtsein kommt, daß er im Ebenbilde Gottes (dem Geiste nach) erschaffen wurde." In der biblischen Schöpfungserzählung, wie auch son>t, nimmt das jüdische Denken eine Wendung vom kosmischen zum ethischen Problem. Im denkenden, sittlich freien Adam findet das Schöpfungswerk seinen krönenden Abschluß. Adam als Urvater des Menschengeschlechtes will besagen: der Mensch, d. i. die Menschheit. Der Gedanke, daß der Mensch als sittlich-freie Persönlichkeit Eigenwert hat und nicht wie eine Sache bloß als Mittel, sondern als Selbstzweck zu achten und zu behandeln sei, leuchtet aus vielen Stellen, namentlich aus dem schönen Wort der Weisen zum Bibelwort (Lev. 25, 42) hervor: „Du sollst den Armen nicht in das Knechts Verhältnis zwingen, denn meine Diener sind sie" — sagt Gott — d. h. Menschen mit Eigenwert und Selbstzweck, nicht „Knechte von Knechten", d. h.