B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 1 (1.1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 Völkern bezweifeln. Geheimrat Köhler aus Berlin, ein Arier, stellt die Behauptung auf, daß sich auch in der deutsehen Nation in sehr bedeutender Weise Finanzgenies mit Eigenschaften, die den Juden zukommen, vorfinden. Karl Jentsch bemerkte einmal zu dem Bilde, das Houston Steward Chamberlain von den Juden entwirft: „Es ist wunderbar, daß ein scharfsinniger und weitschauender Mann, der als geborener Engländer England doch sozusagen vor der Nase liegen hat, — oder erklärt gerade dieses das Wunder? — die Juden so ausführlich beschreiben kann, ohne zu bemerken, daß es seine Landsleute sind, die er abkonterfeit." Wenn Interessenkonflikte aufeinander platzen, dann führen sie auch zu Zwistigkeiten oder Haßgefühlen zwischen Völkern, Parteien und Individuen, die derselben Religionsgemeinschaft angehören. Nicht nur der Weltkrieg mit seinen Folgezuständen, sondern auch das politische, wirtschaftliche und private Leben bieten eine ununterbrochene Reihe von Beispielen dafür. Es gibt auch Vorurteile zwischen arischen Stammes-Angehörigen, die den antisemitischen sehr ähnlich sind. Ich erinnere nur an das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen. Es ist Unrecht, jeden wirtschaftlichen Kampf zwischen Ariern und Juden vom ..antisemitischen" Standpunkte anzusehen. Ich glaube, daß wir Juden in dieser Beziehung zu empfindlich sind und überall Antisemitismus wittern. Ich habe die Empfindung, als würden wir mit ihm kokettieren und ihn sogar verhätscheln. Sind es doch auch Juden, die sich des sogenannten wissenschaftlichen Antisemitismus auf Grund der Rassenzugehörigkeit für ihre Ideen bedienen. Nicht nur Arier, wie Gobineau („Versuche über die Ungleichheit der Menschenrassen"), Chamberlain („Die Grundlagen des XIX. Jahrhunderts"), sondern auch Juden wie Zollschan („Das Rassenproblem"), Ruppin („Die Juden der Gegenwart") bemühen sich zweckdienlich grundlegende Rassenunterschiede festzustellen. Diese und andere ernste Schriftsteller erblicken den Hauptfaktor und das Menschenideal in der Rasse. Von den Rassenf anatikern, die E. Mach („Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen") als perfid oder borniert bezeichnet, braucht man wohl kein Wort zu verlieren. Dr. Maurice Fishberg kommt in seinem ausgezeichneten Buche „Die Rassenmerkmale der Juden" zu der klaren Schlußfolgerung, „daß von einer ethnischen Einheit der modernen Juden oder von einer jüdischen Rasse so wenig wie von ethnischer Reinheit der Christen oder Mohammedaner oder von einer unitarischen, kalvinistischen oder evangelischen Rasse die Rede sein könne. In den Adern der Juden Deutschlands, Österreichs und Englands fließe mehr „indogermanisches" Blut (wenn derartiges überhaupt existiert) als in denen der „arischen" Süditaliener. Spanier. Griechen, Armenier und anderer dunkelfarbiger ethnischer Einheiten. Der russische Jude sei seinen Glaubensgenossen im Innern Marokkos weniger verwandt als den Slaven, unter denen er lebt. Die blonden Juden Deutschlands seien dem sogenannten Indogermanen mehr verwandt als ihrem Glaubensgenossen in Jemen oder in Mesopotamien, unter denen es gar keine Blonden gäbe: die kurzköpfigen Juden im Kaukasus stünden in rassiger Hinsicht den lang-