B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 1 (1.1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1883, II. Bd.). r,Mit ganz besonderem Eifer hat Luther im Jahre 1542 seinen Kampf gegen das ungläubige, verstockte, lästernde Judentum wieder aufgenommen. Er ließ drei Schriften rasch aufeinander folgen. „Von den Juden und ihren Lügen", ..Vom .Schern Hamphoras" und „Vom Geschlecht Christi". Er will mit den Juden nicht mehr disputieren, sie nicht bekehren. ..denn sie sind also erzogen mit Gift und Groll gegen unseren Herrn." Im Schern Haniphoras werden die Juden aller nur denkbaren Lästerungen gegen Christus, satanischer Gifte und Mittel beschuldigt. In Luther kämpft der Mensch gegen den Parteimann, wenn er rät, daß man die Synagogen der Juden, wie auch ihre Hänser. in denen sie gleiches Lästern und Fluchen wie in den Synagogen treiben, verbrennen und zerbrechen solle, daß man ihnen ihre Bücher nehmen, ihren Rabbinern das Lehren verbieten, ihr Umherziehen und ihr Wuchern nicht mehr dulden, ihren jungen Leuten Axt und Spaten, Rocken und Spindel zum Brotverdienst in die Hand geben oder sie zum Lande hinaustreiben solle. Inzwischen sollten die einzelnen Christen ihnen nicht viel fluchen, noch persönlich Leid antun. Schlimmer als die Sprache gegen die Juden ist sein Fanatismus gegen die katholische Kirche und das Papsttum. In den Sehmalkaldischen Artikeln wird der Papst als Antichrist bezeichnet, Luther verflucht jeden, der mit dem Papste Gemeinschaft habe; selig sei Griechenland, Böhmerland, das von ihm abgewichen ist. Rom sei eine Behausung der Drachen und ein Behältnis aller unreinen Geister, aller feindseligen Vögel, Feldteufel, geiziger Götzen, meineidiger Apostaten, Mörder und anderer Ungeheuer." Es könnte noch an anderen Beispielen bewiesen werden, daß der religiöse Haß sich fast nie gegen eine bestimmte Konfession aus idealen Gründen r i c h t e. so n d e r n i m m e r n ü r d e m M aehtwillen und der politischen Parteistellung allein oder oft sogar in V e r b i nd un g mi t w i rt s c ha f 11 ic h en Interesse n dient. Der Religionshaß ist den Wissenden, den Geistigen nur ein Deckmantel für ihre praktisch gerichteten Ziele. Einen religiösen Haß können nur ungebildete, beschränkte Menschen sich einreden lassen und empfinden, bei denen er sich zuzeiten als seelische Massenepidemie äußern kann. Auch für den wirtschaftlichen Antisemitismus gilt die Behauptung, daß er ebensowenig Spezifisches an sich habe, wie der religiöse. Der Handel hat sich aus dem Stadium des Schachers zu einem Verwaltungsgeschäft auf beinahe wissenschaftlichen Grundlagen entwickelt. An dieser Entwicklung sind die Juden in hervorragender Weise beteiligt, soweit sie nicht weiter körperlich und geistig im Ghetto geblieben sind. Dieses Verbleiben ist allerdings eine ständige Quelle des Antisemitismus. In viel geringerem Maße und nur ungerechtfertigterweise wird der Antisemitismus aus der tatsächlichen, wirtschaftlichen und kapitalistischen Begabung der Juden genährt, da diese Fähigkeiten nicht minder auch anderen Völkern (von Individuen sei selbstredend abgesehen), wie z. B. den Engländern und Holländern, zukommen. Ob Werner Sombart recht hat, daß die jüdische Religion ein wesentliches Bildungselement kapitalistischen Wesens sei. ließe sich mit Rücksicht auf die gleichen Begabungen bei andersreligiösen