B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 10 (12.1924)
- Date
- 1924-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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283 Schulwerkes. Die Mängel dieser Schule decken sich mit den auffallendsten Nachteilen der Schulen dieser Art in Deutschland: sie hat kein einheitliches Lehrziel, eine ganz unklare Lehrmethode und einen kaum zu bewältigenden Lehrplan. Vor einigen Wochen hat Bruder Biram seine alte Heimat besucht und bei dieser Gelegenheit in einer gemeinsamen Sitzung aller Berliner Logen über das von ihm geschaffene Werk berichtet und seine Zukunftspläne vorgelegt. Auf der Durchreises hielt er sich einige Tage in Prag auf. Unsere Jugendvereinigung — der Herderverein — benützte die willkommene Gelegenheit Birams Prager Aufenthaltes zur Veranstaltung eines „Biram-Abends" und so entwickelte am 4. November dieses Jahres Bruder Biram im Hause der Prager Logen sein Programm. Wenn ich es versuchen will, an dieser Stelle aus seinen Darlegungen das Wesentlichste den Brüdern unseres Distriktes mitzuteilen, so geschieht es namentlich deshalb, um das von den meisten Logen behandelte und auch in dieser Zeitschrift von den Brüdern Inspektor Edelstein s. A. der würdigen Praga und Expräsidenten Dir. L e d e r e r der würdigen Union erörterte Problem der Berufsumschichtung von einer neuen Seite zu beleuchten. Die von Br. Biram gegründete Schule ist — wie bereits erwähnt — auf moderner Grundlage nach westeuropäischem Muster aufgebaut. Ihre Ergebnisse und Erfahrungen können auch für unsere Verhältnisse von Nutzen sein. Die hebräische Realschule in Haifa ist eine Arbeitsschule. Im Vordergrunde des Unterrichtes steht die Selbstarbeit der Schüler, vorwiegend mit der Hand; nicht nur in den Lehrfächern sondern auch in der Werkstatt. Und diese ist überhaupt nötig, sollen die jungen Menschen — und diese Forderung gilt ebenso für Palästina wie für unsere Verhältnisse im westlichen Europa — von unten an in das Ethos und die Mentalität eines arbeitenden Volkes eingeführt werden und in diesem aufgehen. Aus der Schule wird die Arbeitsschule und aus dieser die arbeitende Schule. Jedes Kind, gleichviel was es werden will, muß sechs bis acht Wochenstunden in Werkstatt und Arbeitsraum arbeiten. Das gilt auch für die, die sich zur Universität und für die der Schule angegliederte Handelsabteilung vorbereiten. Diejenigen, die zum Technikum übergehen sollen, müssen darüber hinaus noch ein größeres Quantum Arbeitsvorbereitung leisten. Die Schule besitzt in den drei Abteilungen des eigentlichen realistischen Lehrgangs schon zwei Klassen, welche Berufsvorbereitung enthalten, also auf Produktion eingestellt sind. In zwei weiteren Abteilungen will sie reine Produktionsschule sein. Ihre Handwerkerabteilung für Knaben von 14 bis 17 Jahren soll den intelligenten jüdischen Qualitätshandwerker erziehen. Tüchtige Absolventen dieser Abteilung werden durch einen speziellen kurzen Vorbereitungskurs von einigen Monaten den Weg zum Technikum finden, und das wird erst den rechten tüchtigen praktischen Ingenieur geben. Für das Mädchen besteht eine eigene entsprechende Abteilung. Haushaltungsarbeit, die durch praktische Betätigung im Internat erlernt wird, Geflügelzucht, Gemüsebau, Gartenbau, Säuglings- und Kranken-