B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 10 (12.1924)
- Date
- 1924-12-01
- Page
- Seite 266 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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266 in überragender Weise seinen Posten auch ausgefüllt hätte. Daher darf es uns nicht wundern, daß Ehrmann in seinem Wirken und Schaffen, als Bruder und Ben Brith seine Aufgabe so hervorragend aufgefaßt und gelöst hat, daß er prädistiniert war, ein Führer, Vorbild und leuchtender Stern am Himmel unseres Ordens zu sein, ja weit über die Grenzen unserer Idee ein Führer und Hohepriester des Judentums zu werden. Als unser Orden in Wien seine Arbeitsstätte gründete, da war Ehrmann einer der ersten, die dem Bunde beitraten und bald war der Orden der Inhalt seines Lebens: air sein Sinnen und Trachten, sein Fühlen und Denken war auf das Wohl des Ordens gerichtet. Ehrmann betrachtet alle Menschen, Dinge und Zeitereignisse vom Gesichtswinkel des Ordens; diese Tätigkeit ist ihm eine Quelle der Freude, der Verjüngung: er überwindet leicht die Strapazen der Logenreisen, die für ihn eine Erquickung sind. Selbstverständlich erklomm Ehrmann sehr rasch die Stufenleiter der Ehrenämter in der Loge „Wien", wo er Präsident und als Repräsentant in den Verband entsendet wurde. Im Mai 1911 wurde Ehrmann zum Verbandspräsidenten gewählt; die Wahl fiel auf ihn, weil Ehrmann als Führer die Verkörperung aller guten jüdischen Eigenschaften darstellt. Seine rührende Bescheidenheit, seine seltenen Geistesgaben, seine große Bedeutung als Gelehrter, seine Besonnenheit, die nie wankende Ruhe machten ihn zum Führer, der keine Mühe und Opfer scheute, um dem Distrikt jenes hohe Ansehen zu verschaffen, das ihm in den letzten Jahren zuteil wurde. Die Werbekraft des Ordens in Österreich fiel mit der Werbekraft der Persönlichkeit Ehrmanns zusammen. Die Geschichte des alten österreichischen Distriktes gliedert sich in 2 Epochen, die erste Epoche unter Hammerschlag galt dem ersten Aufbau durch Sturm und Drang unter Uberwindung der Schwierigkeiten und Hindernisse, welche Indifferentismus, Vorurteile und Mißverständnisse am Wege geschaffen hatten. Hammerschlag schuf die organisatorische Gliederung, Ehrmann gab dem Distrikte den sozialen ethischen Schwung. Ehrmami gehörte Jahrzehnte dem Vorstande der Wiener Kultus-Gemeinde, der Alliance Israelite und der österreichischen Union an. So ist der Distrikt unter Ehrmanns Führung ein gewichtiger Kulturfaktor im Gegenwartsleben der österreichischen Judenheit geworden, die Logen Brennpunkte jüdischen Lebens, von denen gewaltige Initiative ausging. Ehrmann hat einen ausgesprochenen historischen Sinn, der von erstarrten Anschauungen eines einzelnen Zeitabschnittes sich loszulösen vermag, der die Zustände in ihrem Werden sieht, die Maßstäbe der Beurteilung nicht von den Stimmungen des Augenblicks ableitet. Er nahm in ruhiger, sachlich objektiver Weise Stellung zum Nationaljudentum und Zionismus, indem er immer betonte, man müsse den gegenseitigen Standpunkt respektieren; ebenso ruhig objektiv steht er den Tagesströmungen gegenüber und prägte das Wort: „Leute, welche keine Tradition haben, sind keine Demokraten, sondern Plebejer." Seit Ehrmann an der Spitze des Verbandes steht, suchte er die in verborgener Stille waltende Tätigkeit des Ordens mehr an das Licht der