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B'nai B'rith · 1924-12-01 · 10 (12.1924) · p. Seite 267

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
10 (12.1924)
Date
1924-12-01
Page
Seite 267 (sequence 9)
Language
German
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267 Öffentlichkeit zu bringen, indem er auf dem Wege der sozialethischen Betätigung den Orden der gesamten Judenheit und Menschheit als leuchtendes Beispiel vor Augen führte. Diese Art hat sich im Kriege bewährt; denn was der österreichische Distrikt unter Führung des Großpräsidenten Ehrmann im Kriege geleistet, wird in der Geschichte des Ordens und des Distriktes stets ein Ruhmesblatt bilden. Hier bewährte sich die ruhig-diplomatische Art, die würdige Persönlichkeit Ehrmanns, der alle Türen der höchsten Behörden offen fand, als er gleich nach Kriegsausbruch an den Bundespräsidenten und das Exekutivkomitee in Amerika herantrat, um aufklärend zu wirken und zu Sammlungen für das Rote Kreuz und die verwundeten Soldaten aufforderte. Nach Beendigung des Krieges trat Ehrmann sofort mit dem Bundespräsidenten in Amerika in Verbindung. Als die entsetzlichen Berichte über die ersten Pogrome in Polen zur Kenntnis des Verbandes kamen, richtete Ehrmann einen flammenden Protest an das Exekutiv-Komitee in Chicago mit der Bitte, den Protest dem Staatsdepartement in Washington zur Kenntnis zu bringen; durch Vermittlung der Augustin-Keller Loge in Zürich, konnte Ehrmann den amerikanischen Botschafter in Konstantinopel Br. Mor genthau auf das Schicksal von 150 in Österreich weilenden türkischen Juden aufmerksam machen, meistens Brüder mit ihren Familien, deren Repatriierung dann rasch erfolgte. In Wien, wo die zurückflutende Soldateska nach dem Umsturz eine Gefahr bedeutete, griff Ehrmann durch Schaffung von Speise und Verpflegsstätten für 30.000 jüdische Soldaten beruhigend ein. Bei den akademischen Behörden setzte Ehrmann die Immatrikulation und Zulassung zum Rigorosum vieler heimatloser jüdischer Studenten durch, die auch verköstigt und bequartiert wurden. Für jüdische Gefangene und Internierte in Italien erreichte Ehrmann durch Briefe an ihm befreundete Persönlichkeiten Begünstigungen. Dem aufopfernden Beispiele Ehrmanns folgend, wetteiferten die Wiener Brüder in dem Ausbau der Fürsorge, um das Elend, das über Wien und Österreich nach dem Umstürze gereingebrochen war, zu mildern. Ehrmann hat den alten österreichischen Distrikt mit seinem Geiste erfüllt, mit dem Geiste zielbewußter Arbeit. Ich habe es versucht, das Wunder der Persönlichkeit Ehrmanns zu schildern, eine Persönlichkeit, die ich als geschichtlich für unseren Orden benennen möchte. Der Zauber einer Persönlichkeit kann nur ausgehen von einem Menschen, der ein Herzensweiser ist. Ehrmanns Weisheit entströmt dem Herzen, dessen Blut er für den Orden hingegeben hat und hingibt; seine Worte sind Herzensarbeit, von ihm strahlt jene wohltuende Wärme aus, die ein Zusammensein mit herzlicher Liebe erfüllt. In dieser Liebe für uns ist Ehrmann mit dem Orden älter und alt geworden. In seiner Rede über das Alter hat Jakob Grimm gesagt, daß die beste Erfüllung eines Menschenlebens sei, alt zu werden, ohne alt zu sein. Dieser Erfüllung noch lange Jahre gerecht zu werden, zu seiner und unserer Freude, ist nebst unserem heißen Dank, der innige Wunsch, den wir unserem lieben Br. Ehrmann vom ganzen Herzen entbieten.

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