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B'nai B'rith · 1924-12-01 · 10 (12.1924) · p. Seite 265

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
10 (12.1924)
Date
1924-12-01
Page
Seite 265 (sequence 7)
Language
German
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265 Als Gymnasiast in Pisek zog Ehrmann bald die Aufmerksamkeit seiner Lehrer auf sich. Besonders sind es der Mathematiker Andreas Bauer, der später in Prag als Direktor des Grabengymnasiums wirkte und der bekannte tschechische Dichter Hejduk, der Freihandzeichen unterrichtete. Hejduk hat auf Ehrmann großen Einfluß genommen, er eröffnete dem jungen Gymnasiasten das Verständnis für die schöne Literatur, noch mehr aber für die bildende Kunst. Er war es, der Ehrmann nicht nur die Zeichenkunst beibrachte, sondern ihn auch in die Malerei einführte. Er weckte in Ehrmann den Wunsch, sich dem Studium der Kunstgeschichte zu widmen und tatsächlich schwankte Ehrmann bei Beginn der Universitätsstudien lange, welche Fakultät er beziehen sollte. Er wählte die Medizin als Brotstudium und benützte die freie Zeit, um sich in der bildenden Kunst weiter zu entwickeln. Die Begeisterung für die Kunst begleitete Ehrmann auf allen Reisen; wo ich auf Dermatologenkongressen mit Ehrmann zusammenkam, traf ich ihn in den Museen und Kunstsammlungen und konnte sein reiches Wissen auf dem Gebiete der Kunst und seinen Schönheitssinn bewundern. Sein eifriges Studium der Kunstgeschichte während der Universitätsjähre bewog den damaligen Ordinarius für Kunstgeschichte Woltmann, Ehrmann zur Habilitation für dieses Fach aufzufordern und hiebei auch zur Taufe. Ehrmann antwortete, die Kunstgeschichte sei »ihm lieb, aber einer Messe nicht wert. Das hervorragende Zeichentalent eröffnete unserem Jubilar auch die Karriere in der Medizin; Brücke, der damalige Physiologe in Wien lenkte auf Ehrmann sein Augenmerk und zog ihn wegen seines Zeichentalentes in sein Laboratorium. Ehrmanns hervorragende schriftstellerische Tätigkeit fand allgemeine Anerkennung. Als junger Gelehrter erhielt er in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen Ruf an die damals neugegründete tschechische Universität für die Lehrkanzel der Physiologie. Äußere und innere Gründe bewogen Ehrmann in Wien zu bleiben und dem Rate Brückes folgend, sich der Dermatologie zuzuwenden. Durch seine gediegenen wissenschaftlichen Arbeiten erlangte er auch auf dem Gebiete der Dermatologie bald einen bedeutenden Namen. Die Bedeutung Ehrmanns als Gelehrter trat ganz besonders auf den Dermatologenkongressen in Erscheinung; dort bildete er ein Zentrum, um das sich jüngere und ältere Dermatologen sammelten und sein Wort hat dort bei strittigen Diagnosen und wissenschaftlichen Debatten gar häufig die Entscheidung gefällt. Alle Stufen der wissenschaftlichen und akademischen Laufbahn hat Ehrmann erklommen. Im Jahre 1884 wurde er Dozent, 1900 außerordentlicher Professor, 1904 Primarius einer dermatologischen Abteilung und zwar gegen alle sich geltend machenden Hindernisse durch direkten Einfluß des damaligen Ministerpräsidenten Ernst v. Koerber. 1906 erhielt Ehrmann den Titel und Charakter eines ordentlichen Professors, im Jahre 1923 wurde er Hofrat. Zahlreiche in- und ausländische Gesellschaften ernannten ihn zum Ehrenmitgliede. Aus dieser kurzen, biographischen Skizze kann man den Schluß ziehen, daß Ehrmann überall, wohin ihn das Schicksal gestellt hätte, mit seinem universalistisch tiefgründigem Denken und Wissen

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