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B'nai B'rith · 1924-11-01 · 9 (11.1924) · p. Seite 258

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
9 (11.1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 258 (sequence 34)
Language
German
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258 wohl von den dreien am stärksten auf ihn einwirkte, ist nur in der einleitenden Lebensbeschreibung gedacht. Popper-Lynkeus ist, richtig verstanden, Soziologe und gerade die Soziologie war es ja, die Jerusalem gewissermaßen als seine Altersstube betrachtete. Der jüngste Aufsatz des Buches — er ist im Jahre 1922 geschrieben — behandelt die deutsche Gesellschaftslehre und hebt besonders Lorenz von Stein hervor, von dem, wie er sagt, die Soziologie mehr lernen könne als von Comte. Ich kann mich rühmen, Jerusalem auf Steins Werk „Der Sozialismus und Kommunismus des heutigen Frankreich" aufmerksam gemacht zu haben. Stein begründet in diesem Werk die Gesellschaftslehre und stellt sie auch historisch-genetisch dar. Sein Verdienst wird jedoch lange nicht genug gewürdigt. Auch mit dem Pragmatismus beschäftigt sich Jerusalem in zweien seiner Aufsätze. Er hat das Werk William James' ins Deutsche übersetzt und so den Pragmatismus bei uns eingeführt. Kurz, wo immer man die neue Folge anpackt, da ist sie interessant. Der leitende Aufsatz „Meine Wege und Ziele" zeigen uns in schlichter Darstellung das Wesen des bescheidenen Mannes, der als Mittelschullehrer in einem Landstädtchen sich ebenso glücklich fühlte, wie als Professor der Alma mater Vindobonensis und der die schwere Bürde des Lebens leicht trug, weil ihm tiefste Menschenliebe die Kräfte beflügelte. Dreißig Jahre war er Gymnasiallehrer und wie ihn der Beruf begeisterte, zeigte er in einem der schönsten Aufsätze seines Buches: „Der Bildungswert des altsprachlichen Unterrichtes". Vom Jahr 1891 an bis zum Jahre 1907 las er als Privatdozent an der Wiener Universität und erst in diesem Jahre wurde er Extraordinarius dieser Hochschule. Im Frühjahr 1923 endlich wurde ihm der Titel eines ordentlichen Universitätsprofessors verliehen. Trotzdem ihm die Laufbahn schwer gemacht wurde, erfüllte nie Bitterkeit sein goldenes Herz. Am gehobensten fühlte er sich, wenn er im mündlichen Vortrag seinen Zuhörern sein Innerstes offenbaren konnte. Wahrlich, in Jerusalem liegt ein glückliches Menschenleben abgeschlossen vor uns und die neue Folge der „Gedanken und Denker" ist von seinem edlen Geist durchwärmt und durchleuchtet. Ein Verstorbener grüßt aus dem Grabe heraus die Lebenden. Dr. Feith. Zweite jüdische Welthilfskonferenz in Karlsbad <2i.~28. August 1924). (Schluß.) IV. Kindernot und Kinderhilfe. Mit dem Problem der Hilfe für das hungernde Kind hat sich die Welthilf skonferenz in der letzten Zeit intensiv befaßt und naturgemäß begegnete die Frage der Jugendfürsorge, deren hervorragendste Vertreterinnen aus Deutschland (Frau Dr. Vogelstein und Frl. Pappenheim,) Österreich (Anitta Müller- Cohen), Polen (Frau Rosa Melzer), Cechoslovakei (Irene Matzner) der Tagung beiwohnten, allseitig großem Interesse. Von den gehaltenen Referaten sei hier jenes des Dr. M. Pecker (Warschau) hervorgehoben; dessen Ziffernmaterial bezog sich zwar nur auf die polnischen Verhältnisse, aber in diesem Ausschnitte spiegelt sich das jüdische Kinder-

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