B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 9 (11.1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 240 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Die Forderung ist nicht asketisch und entsagungsvoll, sondern, wie alles echt Jüdische, dem Leben zugekehrt. Sie schließt auch die natürlichen und durchaus berechtigten Ansprüche des Selbsterhaltungstriebes keineswegs aus. Sie verlangt vielmehr, daß jeder sein eigenes Leben so einrichte, daß dadurch auch das Leben der anderen kräftig gefördert und glücklich gestaltet werde. Das Gebot regt zur kraftvollen Tätigkeit an und gibt dem energischen Willen klare Richtlinien und konkrete auf die Förderung des Lebens gerichtete Ziele. Das Wort sagt mir aber auch deutlich, daß ich nicht allein auf der Welt bin und daß mein Leben dazu bestimmt ist, anderen Menschen ihr Leben zu erleichtern und daß mein Tun und Trachten nur dann seinen Zweck erfüllt, wenn dadurch das Leben der anderen und das Leben der Gesamtheit kräftige Förderung erfährt. So unser sei. Bruder Wilhelm Jerusalem! — Wenn wir diese Grundsätze und Ideale befolgen werden, werden wir das sein, was wir sein sollen, „ein Segen für uns und der ganzen Menschheit." Geliebte Brüder der Loge „F i d e s"! Nun einige Worte an Euch! Ihr habt es Euch nicht nehmen lassen, mich an diese Stelle zu rufen, die mich so ehrt. Ich habe ein gewisses Bedenken gehabt, dieses würdige Amt anzunehmen, weil ich nicht die Eigenschaft besitze, den Platz eines Präsidenten voll auszufüllen. Aber wenn man einen B'nai B'rith ruft, so muß er zur Stelle sein. Hier bin ich! Mein ganzes Leben habe ich nach den Grundsätzen des unabhängigen Ordens B'nai B'rith eingerichtet, sie sind mir zur Lebensregel geworden. Euch und dem Orden kann ich nicht mehr geben, als mein Bestes, den guten, ehrlichen Willen zur treuen Erfüllung meiner Pflichten. Euch alle, meine lieben Brüder, bitte ich aber in dieser weihevollen Stunde: „Macht mir mein Amt leicht." Widmet mir in Treue Euere Mitarbeit, auf daß wir mit vereinten Kräften im Kreise unserer Schwester- Logen jenen Platz einnehmen, der der „F i d e s", der Treue, im Kreise der menschlichen Tugenden gebührt. Sehr würdiger Großpräsident, Hofrat Professor Ehrmann! Mit freudigen Gefühlen, aber auch mit bewegtem Herzen will ich Ihnen, sehr würdiger Großpräsident und der Großloge Ihres Distriktes unseren herzlichsten Dank abstatten für all die Güte und Liebe, die Sie uns in so reichem Maße gespendet haben. Sie haben uns heute durch die Einführung unserer Kandidtaten wieder bewiesen, wie Sie uns immer und immer Ihre Gunst und Liebe zeigen und das macht uns so stolz.