B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 9 (11.1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 239 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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239 Sie haben mit Ihren, von warmem Herzen gehenden Ausführungen das Zusammengehörigkeitsgefühl, das einer Loge würdig ist, gefestigt. Ich betone das ganz besonders, weil die Gründung der „Fides" ihrer Natur nach etwas von den anderen Logengründungen in unserem Distrikte abweicht. Die meisten von uns Brüdern der „Fides" stammen nicht aus Logen dieses Distriktes, sondern aus der Loge „Wien". Nicht unsere Mutterloge führt uns in unsere Großjährigkeit, in unsere Eigenberechtigung ein, sondern wir müssen uns aus dem Distrikte, dem wir bisher angehört haben, herausschälen, um uns einem anderen Distrikte einzugliedern. Eben diese Tatsache hat uns veranlaßt, den Namen „Fides"- Treue zu wählen. Sowie Treue uns bis jetzt mit unserer Mutterloge verbunden hat, so ist es „T reue" dem Brudergedanken, die uns von ihr loslöst. Die Zeit hat es eben mit sich gebracht, daß wir, um Ersprießliches für den Ordensgedanken leisten zu können, eine eigene Arbeitsstätte besitzen müssen. Dieser haben wir heute den Schlußstein gelegt, — die Arbeit kann beginnen! — Nehmen Sie darum sehr würdiger Großpräsident, nochmals das Gelöbnis aus meinem Munde entgegen. Wir wollen Treue halten dem Orden, Treue unserem Distrikte und Treue unserer Mutterloge, mit der uns jahrelange brüderliche Liebe verbindet. Und in dieser feierlichen Stunde danken wir der würdigen „W ien" für all ihre Liebe und Brüderlichkeit die sie uns immer in so reichlichem Maße bewiesen hat und ein unzerreißbares Band wahrer Liebe und Treue wird uns weiter mit ihr verknüpfen. Liebe Brüder! Unser leider viel zu früh abberufene Bruder Expräsident Prof. Wilhelm Jerusalem hat den Logengedanken folgend zum Ausdruck gebracht: „Du sollst zum Segen werden!" Diese Forderung, die jedem neuen Mitgliede unseres Ordens in feierlicher Stunde auf die Seele gelegt wird, dieses Gebot, das nach uralter Uberlieferung Gott unserem Stammvater Abraham gegeben hat, ist zugleich auch der kürzeste, der inhaltsvollste und charakteristischeste Ausdruck für das Wesen und für den Kern aller Bestrebungen des Ordens. Die in dem Satze: „Du sollst zum Segen werden" enthaltene sittliche Forderung enthält in sich, wenn man ihren Inhalt und ihre so einfach erhabene Form ganz erfaßt, nicht mehr und nicht weniger, als eine vollkommene Synthese der beiden Geistesrichtungen, deren harmonische Vereinigung das oft ausgesprochene letzte und höchste Ziel unseres Ordens bildet. Das Gebot: „Du sollst zum Segen werden," ist zunächst durch und durch jüdisch und faßt alle Grundsätze der in unserem Schrifttum dargelegten ethischen Bestrebungen des Judentums in sich zusammen.