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B'nai B'rith · 1924-11-01 · 9 (11.1924) · p. Seite 235

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
9 (11.1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 235 (sequence 11)
Language
German
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235 Sie bleiben Gleiche unter Gleichen und das, was Sie von den anderen Brüdern unterscheidet, ist nicht ein Mehr von Recht, sondern ein Mehr von Pflicht. Die Art und Weise wie Sie diese Pflicht erfüllen werden, wird für spätere Beamtengenerationen ein Vorbild sein. Werden Sie sich in Erfüllung Ihrer Pflicht von unserer Devise Wohlwollen, Brüderlichkeit und Eintracht leiten lassen, dann werden auch die Arbeiten der Loge von Wohlwollen, Brüderlichkeit und Eintracht getragen sein. Wenn Sie, meine lieben Brüder, mit Begeisterung ihre Pflicht erfüllen, dann wird diese ein lebhaftes Echo unter den Brüdern auslösen und gleich Ihnen werden die Brüder ihrer Pflicht mit Begeisterung nachkommen. Den Kreis Ihrer Pflichten umschreibt das Rituale, den Geist haben Sie dem toten Buchstaben zu leihen. Dies bitte ich Sie vor Augen zu halten, wenn ich Sie nunmehr ins Gelöbnis nehme." Hierauf werden die neugewählten Beamten vom s. w. Großpräsidenten in Eid genommen. Sie nehmen nunmehr ihre Amtssitze ein und der s. w. Gr. Pr. Dr. Popper ergreift das Wort zur folgenden feierlichen An spräche: Meine lieben Brüder! In einer Stadt, um deren Besitz im Laufe der Jahrhunderte die großen Völkerfamilicn Europas gerungen, in einer Stadt, um die Romanen und Slaven, Magyaren und Germanen gestritten, in dieser Stadt schlägt heute der Orden B'nai B'rith seine Zelte auf, um in seiner Art und Weise von dieser Stadt Besitz zu ergreifen und Sie meine lieben Brüder sind die Mandatare des Ordens. So wenig es Zufälle gibt im Geschehen des Menschen, so wenig gibt es Zufälle im Geschehen des Menschheit. Menschen sind es, die wirkend und treibend, wenn auch nicht immer bewußt ihr Schicksal bestimmen. Es kann kein Zufall sein, daß gerade hier, nicht allein um diese Stadt, sondern um die ganze Gegend durch Jahrhunderte, man kann sagen durch mehr als ein Jahrtausend gerungen wurde. Ursache hiefür ist die Bedeutung des Ortes. Meine lieben Brüder, wenn die Machthaber aller Zeiten mit Gewalt um Land und Leute gerungen haben, so treten w i r heute auf den Plan, nicht um durch Gewalt etwas zu erobern und nicht um vom Land Besitz zu ergreifen; unsere Waffen sind Waffen des Geistes und das Ziel unseres Kampfes ist nicht Land und nicht Besitz, das Ziel unseres Kampfes ist Eroberung der Herzen. Daß gerade hier Kämpfe der Machthaber so lange getobt haben, hat seine Ursache darin, daß hier eine jener großen Brücken ist, die den Osten mit den Westen verbinden und das, was jenen vom strategischen Standpunkt wünschenswert war, das hat für uns Bedeutung von jüdischethischer Warte. Hier, wo das Judentum des Westens zusammenstößt mit dem Judentum des Ostens, ist es unsere Mission, die breiten Schichten des Judentums mit dem wahren Geiste westlicher Kultur zu durchdringen und ihnen dabei das zu erhalten, was das Ostjudentum Wertvolles bringt.

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