B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 9 (11.1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 229 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9582244-9582244-9597803-9598056--0547-9598061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
229 Der w. Präsident teilt sodann mit, daß die Loge Karlsbad für die Saison 1923 10 Plätze im Israelitischen Kurhospiz zu Gunsten notleidender Brüder und Schwestern stifte und zwar vier zu Gunsten von Angehörigen des deutschen, je zwei für die Angehörigen des tschechoslowakischen, österreichischen und polnischen Distrikts. Diese unentgeltlichen Stiftungsplätze werden solange erneuert werden, als es die Notwendigkeit erheischt. Aus Anlaß des Jubiläums seien weiters von zwei Brüdern 15 Tonnen Kohle für notleidende Juden im Orte gespendet worden. Br. Finanzsekretär berichtet, von den Brüdern der Loge seien aus dem gleichen Anlaß zur Stärkung des mobilen Witwen- und Waisenfonds 40.800 Kc gespendet worden. Die Sitzung wird um 7 Uhr geschlossen. Der Feier im Logentempel schloß sich am Abende ein festliches Brüdermahl im großen Saale des Schützenhauses an, dem die Brüder mit ihren Damen beiwohnten. Die üblichen Fest- und Begrüßungsreden wurden von ausgezeichneten Darbietungen unterbrochen, für die Karlsbader Brüder und Schwestern als verantwortlich zeichneten. Dr. Sommer. Uber Bruderliebe. Von Prof. Dr. S. Z i e g 1 e r. Rede anläßlich der Tagung der w. „Karlsbad" in Eger am 27. April 1924 Brüder, Freunde! Lasset mich heute, da feierliche Stimmung un-, sere Seelen empfänglicher macht, und eine große Schar von Brüdern den Gastraum füllt, den brüderliche Liebe festlich geschmückt hat, einige Worte über das schönste Wort unserer Devise an euch richten, über so heiß verlangte, sehnsüchtig gesuchte, stets umworbene, viel gepriesene aber doch auch so viel umtrauerte Bruderliebe. Was sie ist, fühlt jeder von uns. Er fühlt sie, wenn ihr Herzschlag ihn mit wohliger Wärme beglückt und fühlt sie, wenn ihr Fehlen sich eisig und frostig aufs Herz legt. Und doch tut es not, ihr Wesen klarer zu erkennen. Bruderliebe ist die von reinster Gesinnung umflutete werktätige Teilnahme am Geschicke dessen, den ich Bruder nenne, mag es sich um sein körperliches oder geistiges, um sein materielles oder seelisches und sittliches Wohlergehen handeln. Mit der Brudersfreude sich freuen, mit ihm klagen in seinem Weh, nicht konventionell, sondern aufquellend aus dem Borne heiliger Liebe; ihm beistehen in Zeiten der Gefahr, ihn fördern in Arbeit und Erwerb, wenn Krankheit und Sorgen ihn niederdrücken. Warnen, wenn wir ihn in Erfolg oder Mißerfolg irren sehen, ihn gewaltsam fortreißen, wenn des Daseins Sturm seine Seele, zum Abgrund drängt, oder er in Lust oder Verzweiflung selbstvergessen zu fehlen, sich zu vergehen beginnt — das ist Bruderliebe. Wann ist das Herz voll von ihr? Wie könnten wir uns gegenseitig zu ihr erziehen? Etwa wenn gleiche Welt- und Lebensanschauung, gleiche Ideale, gleiche Interessen uns verbinden? Nein, das