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B'nai B'rith · 1924-10-01 · 8 (10.1924) · p. Seite 220

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
8 (10.1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 220 (sequence 18)
Language
German
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220 Einwanderung nach Amerika. Katastrophal wirken die Beschränkungen, welche im letzten Jahre die Vereinigten Staaten von Nordamerika beschlossen haben und welche sich de facto hauptsächlich gegen die jüdische Einwanderung richten. Während die letzten Jahre an 100.000 Emigranten nach Amerika brachten, werden jetzt nur noch 6—8000 einwandern können. Das Einwanderungsverbot habe viele Auswanderer unterwegs betroffen und so lagern gegenwärtig an 10.000 jüdische Emigranten in den verschiedenen Häfen Europas, deren Schicksal umso tragischer ist, als ihnen auch die Heimkehr verwehrt ist, weil sie daheim bereits alles veräußert haben. Im Zusammenhange mit dem Emigrationsproblem behandelte Br. Dr. Jochelmann die Idee der jüdischen Volksbank, welche auf dreierlei Weise trachten will, den Auswanderern ihr Schicksal zu erleichtern: 1. Durch Vermittlung des Kaufes von Schiffskarten, um die Auswanderer vor der Ausbeutung gewissenloser Agenten zu schützen. 2. Durch die Durchführung von Geldüberweisungen zwischen Amerika und Europa, wobei dermalen zahlreichen Kleinbanken und Einzelpersonen betrügerische Manipulationen sich zu schulden kommen lassen und 3. durch Kreditgewährung. Das Reinerträgnis der Bank ist zur Förderung der Zwecke der jüdischen Welthilfskonferenz, insbesondere für die Erfüllung der Aufgaben auf dem Gebiete der Emigration bestimmt. Diese Bank wurde bereits gegründet und soll nach der Absicht der Gründer Eigentum der jüdischen Allgemeinheit werden. Den Modus, wie dies geschehen soll, möge die Welthilfskonferenz bestimmen. In der Debatte, welche sich an diese Referate anschloß, bestätigte der Vertreter der Hias Amerika die Angaben der Referenten. Redakteur Morris Myer (London) teilte mit, daß sich der Oberkommissär für die russischen Flüchtlinge beim Völkerbund an 34 Staaten mit der Bitte gewandt habe, den Flüchtlingen die Einreise zu gestatten. Von diesen habe nur ein Staat geantwortet und dieser habe lediglich den Rat gegeben, man möge die russische Regierung auffordern, die Emigranten wieder in das Land zu lassen. Von vielen Rednern wurde betont, wie wichtig es sei, die Mitwirkung Amerikas wieder in höherem Maße zu gewinnen, ebenso wurde vielseitig darauf hingewiesen, daß es nötig sein werde, die Emigration in ein bestimmtes System zu bringen, empfohlen wurde eine kolonisatorische Immigration und die fachliche Ertüchtigung der Auswanderer. Die Bedeutung und Zukunft Palästinas als Immigrationsland wurde nach allen Richtungen beleuchtet und der Aufmerksamkeit der maßgebenden Faktoren empfohlen. Gegenstand einer scharfen Kritik war das Verhalten der Ika (Internat. Kolon. Assoc.) in Argentinien, der man vorwarf, daß sie den Intentionen ihres Gründers, Baron Hirsch, nicht entsprochen und die Kolonisten ausgebeutet habe. Von anderer Seite wurden diese Vorwürfe teils abgeschwächt, teils entkräftet. Anerkennung fand, daß die Ika, welche bisher jede Kooperation auf paritätischer Basis mit der Welthilfskonferenz abgelehnt hatte, nunmehr mit dem Emigrationsdirektorium (Emigdirekt.) in Angelegenheit der heimatlosen Auswanderer gemeinsam vorgehen will. Das Emigdirekt ist eine Schöpfung, zu welcher auf der Emigrationskonferenz in Prag im Oktober 1921 der Grund gelegt wurde, darin sind neben der Welthilfskonferenz eine große Anzahl von Gesellschaften und Vereinigungen vertreten, weiche sich mit Auswanderungsangelegenheiten befassen. In der Fürsorge für die Emigranten fungiert der Emigdirekt als Vollzugsorgan der Welthilfskonferenz; der Sitz der Leitung ist in Berlin. Die Tätigkeit, Mängel und Verdiente dieser Institution wurden von mehreren Rednern eingehend behandelt. Als Ergebnis der Beratungen über die vorangeführten Probleme wurden folgende Resolutionen beschlossen: 1. Aktion zugunsten der Emigranten in den Häfen. Die Zweite Jüdische Welthilfskonferenz wendet sich an die Judenheit der ganzen Welt mit einem Aufruf wegen der schrecklichen Lage vieler Tausender unserer Brüder, die in den Häfen der Transitländer von Europa festliegen. Verführt durch die amerikanischen Visen, die ihnen gegeben wurden,

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