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B'nai B'rith · 1924-10-01 · 8 (10.1924) · p. Seite 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
8 (10.1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 209 (sequence 7)
Language
German
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209 jüdischen Ärzten mit den einleitenden Gedanken seiner Schrift. Nichts destoweniger kommt aber Pictorius nicht etwa, wie man erwarten müßte, zu dem Schluß, man möge die gelehrten anständigen jüdischen Ärzte unbehelligt lassen und sich gegen die verwerflichen dieses Standes kehren, sondern seine Schlußfolgerungen aus seinen Argumenten folgen nicht seinem zuletzt erwähnten Bekenntnis, sondern seiner Einleitung: Denn unter Zitierung einer Stelle eines Buches von Alfonso von Castilien „der ein Jud gewest" fordert er die Ablehnung jüdischer Ärzte und Arzneien seitens der Juden und führt hierfür 3 Gründe an, die wohl Wert und Unwert solcher „Dokumente" am besten charakterisieren: 1. Die Juden können die Eigenschaften vieler Speisen nicht erkennen, weil sie ihnen verboten sind, wie Hasen, Schweine und dergleichen, (was wohl auf die Unfähigkeit der jüdischen Ärzte hinweisen soll ihren Kranken Diätvorschriften zu geben). 2. Jüdische Ärzte besitzen keine Gottesfurcht, und verlängern daher die Krankheit, statt sie zu heilen. 3. Jüdische Tradition fordert, daß ein jeder Jude einem Christen schaden, oder ihn gar umbringen soll. Diesem Alfonso sei nach Pictorius Ansicht Glauben zu schenken, weil Pfefferkorn, ein getaufter Jude im Jahre 1414, als man ihn hinrichten wollte bekannt habe, daß er zu der Zeit, als er ein Arzt gewesen, 13 Christen mutwillig mit Gift, das er ihnen für Syrup eingegeben hatte, getötet habe. Aber auch ein anderer jüdischer Arzt zu Cöln, Dr. Thomann, gleichfalls ein getaufter Jude, habe bekannt, daß er 600 Christen mit solchen Arzneien umgebracht habe. Auf Grund solcher Angaben sei auch den Juden am Konzil zu Konstantinopel die Verabreichung von Arzneien verboten worden und die Propheten selbst hätten schon auf diese verderbliche Arzneitätigkeit der Juden hingedeutet, wie aus Jesajas (49) hervorgehe: „Eure Judenhänd sind unrein von Blut und euere Finger sind unrein von Bosheit und euere Lippen reden Lügen und eure Zunge spricht aus alle Schalkheit". Desgleichen sagt Micha (27. Kap.): „Ihr alle stellt heimlich dem Blute nach." Es ist hier leicht, ganz im Sinne der Einleitung zu dieser Skizze, zu erkennen, mit welchen Argumenten ein solcher Schriftsteller zu seinen Schlußfolgerungen kommt, für die er selbst im Laufe seiner eigenen Darstellungen keine einzige Grundlage aus eigener Anschauung zu finden weiß und sich darum auf Quellen beruft, die als Ausspruch getaufter Juden vermudich auf der Folter der Inquisition erpreßt wurden. Ganz überflüssig erscheint eine Diskussion über solche „Wissenschaftlichkeit", die zu einer derartigen Auslegung von Prophetenstellen führt und die es vermag, Gedanken der Propheten auch schon mit dem „Arzneimittelwesen" in Verbindung zu bringen. So konnte — alles in allem ein solches,, Dokument" auch von den, gleichen Zielen zustrebenden Nachfolgern des Pictorius nicht leicht als überzeugendes Argument verwendet werden. * * *

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