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B'nai B'rith · 1924-10-01 · 8 (10.1924) · p. Seite 208

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
8 (10.1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 208 (sequence 6)
Language
German
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208 Aus der Zahl solcher Dokumente will ich zwei mir vorliegende Traktate ausführlicher besprechen, die die Form solcher Bestrebungen und die Art dieser Methodik beleuchten können. Der erste betrifft eine Schrift des Georgius Pictorius, eines Stadtarztes im Ensisheim in Elsaß, die er im Jahre 1558 in Frankfurt am Main drucken ließ und die den Titel führt: Von zernichten*) Artzten. Die erste Abteilung dieser Schrift behandelt die Frage „ob die Christen von jüdischen Artzten vertrewlich artzney gebrauchen mögen". Pictorius basiert seine Schlußfolgerungen, die natürlich mit einer Negierung der im Titel gestellten Frage enden, auf den Vorwurf, „daß die Juden überhaupt keine gelehrten Bücher haben, daraus sie die hohe gewichtige Kunst der Artzeney studieren könnten oder mögen und ob sie die gleichwohl hätten, doch nicht verstünden, denn ihre Philosophi sind der lateinischen Sprach nicht mächtig". Daß sie sich rühmen das Werk des arabischen Gelehrten Avicenna in hebräischer Sprache zu besitzen, ist schwer zu glauben.**) Die Gegenfrage „wieso trotz diesem Mangel an Kenntnis der ärztlichen Literatur die Juden als Ärzte solches Ansehen genießen" glaubt Pictorius damit begründen zu können, „denn man glaubte, die Juden besäßen eigene verborgene Bücher, die ihnen der Prophet Moses gegeben hatte und diese sollten verborgene Künste enthalten, die aber niemanden verraten werden sollen". In weiteren Ausführungen seines Gedankenganges folgt nun eine vermeintlich historische Darstellung über die jüdischen Ärzte des Mittelalters unter Erwähnung des Moses Maimonides, dem er einen Moses aus Cordoba gegenüberstellt, ohne zu wissen, daß es sich in beiden Fällen um die gleiche Person handelt. Im übrigen bezeichnet er die medizinischen Fähigkeiten der jüdischen Ärzte nur als Veterinäre (tierärztliche), wobei er diese Fähigkeiten aber nicht nur den Ärzten, sondern Juden überhaupt beimißt, (wohl eine Bezugnahme auf die Kenntnis der Schechita), wirft ihnen aber dabei vor, daß sie kritiklos diese tierärztliche Kenntnis ohne weiteres auf die Menschenbehandlung übertragen. Schließlich gibt er zu, daß es auch gelehrte Judenärzte gibt, die an berühmten Hochschulen, wie in Sizilien, Spanien, Österreich, Italien,, studiert haben, die auch die griechische und lateinische Sprache beherrschen, aber diese ziehen nicht von Land zu Land, oder von Haus zu Haus, sondern lassen die Kranken zu sich kommen. Wenn Pictorius gegen eine gewisse Gruppe von Ärzten Stellung genommen hätte, die sich in der damaligen Zeit, wie aus zahlreichen diesbezüglichen Belegen hervorgeht, unter Nichtjuden ebenso reichlich wie auch unter Juden befunden haben dürften, dann würde seine Schrift größeren Wert für die damalige Zeit und auch jetzt noch beanspruchen dürfen. Man vergleiche aber die eben zitierte Meinung von den gelehrten *) =r nichtswürdigen. **) Es ist dies eine tendenziöse Entstellung; denn die damaligen jüdischen Ärzte verstanden nicht nur arabisch sehr gut, sondern hatten dieses Werk tatsächlich auch ins Hebräische übersetzt, übrigens eines der ersten Druckwerke aus der Zeit nach der Erfindung der Buchdruckerkunst.

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