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B'nai B'rith · 1924-10-01 · 8 (10.1924) · p. Seite 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
8 (10.1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 206 (sequence 4)
Language
German
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206 Suchen wir nun nach Belegen für die Richtigkeit solcher Behauptungen, so bietet wohl jedes Spezialgebiet in der umfassenden Geschichte des Antisemitismus hierfür reichliches Material und es genügt diesbezüglich ein bloßer Hinweis auf die einschlägige Literatur. Hier aber soll nur in kurzer Wiedergabe geschichdicher Daten und geschichtlicher Belege ein Beitrag zu dieser Frage gegeben werden und zwar durch Wiedergabe von Belegen jener speziellen Frage, die in der Geschichte des Antisemitismus eine große Rolle spielt, die aber trotz ihres breiteren Interesses gewöhnlich in der einschlägigen Literatur keine allzubreite Behandlung findet. Es betrifft dies die Frage: „ob dieChristen von den jüdischen Ärzten sich behandeln und vertraulich Arznei nehmen und gebrauchen dürfe n." Es bedarf keiner Darlegung, daß eine solche Frage schon in ihrer bloßen Stellung jene Fülle von Judenhaß enthält, die in den niedrigsten Verleumdungen seine Nahrung findet. Und doch wird jeder zugeben, daß eine solche Frage in der Gegenwart doch nur zu den selteneren Formen antisemitischer Kampfweise gehört und selbst gewissen Boykottbestrebungen nur vereinzelt zugrunde gelegt wird. Demgegenüber nimmt diese Frage in der Geschichte des Antisemitismus vergangener Perioden einen großen Raum ein und spiegelt sich nicht nur in der antisemitischen Literatur früheren Zeiten, sondern reichlich auch in der medizinischen wieder. Die enger umgrenzte Frage, für die hier dokumentarische Belege beigebracht werden sollen, ist nicht zu verwechseln mit der Frage nach der Bedeutung der jüdischen Ärzte im Kulturleben der Völker überhaupt. Diese Frage fand ja in umfassenden Monopraphien schon mehrfach Bearbeitung und sie steht außerhalb des Rahmens der vorliegenden Skizze. Hier handelt es sich mehr um die Frage jenes Teiles ärztiicher Kunst, der der Arzneiverordnung, ganz besonders aber der Arzneiverabfolgung dient und es ist begreiflich, daß diese berufliche Betätigung im Zusammenhange mit Haß und Verleumdung eine andere Bedeutung erlangen muß, als die beratende Krankenbehandlung schlechthin. Aus diesem Grunde bleibt unsere Frage nicht nur auf Ärzte beschränkt, sondern betrifft in noch viel größerem Maße den ganzen Stand der Apotheker und diesem verwandte Berufe. Bei Durchsicht einschlägiger geschichtlicher Daten finden wir nun auch im angegebenen Sinne meist eine deutliche Trennung dieser beiden Fragen: Ärztiiche Kunst einerseits und Arzneiverabfolgung anderseits und beide Fragen stehen auch gesondert den antisemitischen Bestrebungen gegenüber. Belege hiefür reichen weit ins Altertum zurück. Schon im alten Rom bildeten die sogenannten Institores, die Heilmittel verordneten und vertrieben, einen gesonderten Stand, der sich keiner besondern Achtung erfreute. Sie gingen aus niedrigem Stande hervor und wurden kaum höher geachtet als andere Kleinhändler; die „pharmacopolae, pharmaci, u. ä. Berufe rekrutierten sich damals aus „lügenhaften Griechen" und aus „übelangesehenen Juden" und waren denkbar schlecht beleumdet. Unter ihrem Gewerbe verstand man, ebenso wie in Griechenland, das von „Quacksalbern, Giftmischern und Parfumeuren"

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