B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 7 (9.1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 192 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9582244-9582244-9597803-9598010--0502-9598016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 daß sie in dem letzten Kriege sehr beträchtliche Kriegsbey träge freywillig gegeben, und über J5000 jüdische Soldaten ins Feld geschickt haben*). Im Jahre 1800**) sah die Staatsverwaltungsich veranlaßt, die deutschjüdische Lehranstalt mit jener der allgemeinen Volksschulen zu vereinigen. Den Juden, die es frey willig verlangten, wurde gestattet, ihre Kinder in die christlichen Schulen gegen einige, mittelbar ihnen selbst zum Vortheile gereichende Bedingungen abzusenden. Es ist wahrscheinlich, daß man zu Errichtung eigener deutsch-jüdischen Schulen wieder zurückkehren, jedoch auch den gegen die vorigen Schulen hier und da geführten Klagen, in so weit sie begründet waren, für die Zukunft vorzubeugen wissen werde. Um die zur Veredlung der Juden ergriffenen Mittel noch wirksamer zu machen, wurde angeordnet***), für die Juden ein religiös-moralisches Lehrbuch zu verfassen, in welchem die Moral auf die vorausgehenden Eigenschaften Gottes gegründet, mit der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, und von den Belohnungen und Strafen des künftigen Lebers motiviret, und nicht allein aus Vernunftgründen für die Jugend faßlich dargethan, sondern auch durchgehends mit beweisenden Stellen aus den heiligen Büchern der Israeliten belegt werden müsse. Dabey soll auch auf die unter der jüdischen Nation noch herrschenden Übeln Gewohnheiten, auf ihre eigenthümliche Denk- und Handlungsweise ganz besonders eine kluge Rücksicht genommen, und überlegt werden, wie das Herz der Jugend gegen jede Unmoralität zu sichern sey. Als ein solches Werk unter den Titel: Ben-Zion zu Stande gekommen, und von Sr. Majestät der Erwartung völlig entsprechend befunden worden ist, haben Höchstdieselben befohlen, daß dieses Lehrbuch in allen jüdischen Schulen der österreichischen Staaten eingeführt und gebraucht, und auf die zweckmäßige Anwendung desselben von allen, denen die Untersuchung der jüdischen Schulen obliegt, genau gewacht werde. Ich bin weit entfernt, eine Apologie der Juden zu schreiben; aber als ein unparteyischer Staatsbürger kann ich den Wunsch nicht unterdrücken, daß bey guten Anordnungen zur moralischen Verbesserung auch die politischen Schranken dieses noch immer als Fremdling betrachteten Volkes, allmählig mehr und mehr erweitert würden, weil so lange zwischen christlichen und jüdischen Unterthanen die alte politische Scheidewand besteht, die stündlich vorkommende Collision der Pflichten mit den ihnen zusagenden Rechten, der Beschränkungen mit den gesetzlichen Freyheiten und der Ausnahmen mit den allgemeinen Vorschriften eine Monstrosität erzeugen und nähren, welche das Fortschreiten zur Vervollkommnung des Ganzen bald da bald dort hemmt. Wenn jedoch dieser Wunsch erfüllt würde,****) dann müßten auch die Juden Beweise geben, daß sie der erweiterten Toleranz vollkommen *) Im angeführten. **) Hofdekret vom 2»\ Junius. ***) Man nennt den oben erwähnten Herz Homberg, der den Auftrag erhalten habe. ****) Daß die österreichische Staatsverwaltung der Erfüllung dieses Wunsches nicht abgeneigt sey, zeigt der Eingang des für Böhmen erlassenen Patents vom