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B'nai B'rith · 1924-09-01 · 7 (9.1924) · p. Seite 191

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Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
7 (9.1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 191 (sequence 5)
Language
German
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191 eigenes Haus kaufen zu dürfen, sich beworben hat*). Se. Majestät immer geneigt, jede nützliche Unternehmung zu begünstigen, nahmen keinen Anstand, ihr Gesuch zu willfahren**). Sobald dieses von den Gutdenkenden so sehnlich erwartete Institut zu Stande kömmt, wird man es sich zum angenehmen Geschäfte machen, die Einrichtung und den Fortgang desselben bekannt zu machen. In Galizien, wo die deutsche Sprache ein Fremdling ist, war auch der deutsche Unterricht bey Weitem nicht so willkommen, als bey den Juden in andern Provinzen Die Sprache war es aber nicht allein; auch die unvertilgbare Abneigung gegen jeden Unterricht, der nicht t a 1m u d i s c h ist, die empörte Eigenliebe, als man sie für ungebildet erklärte, das eingewurzelte Mißtrauen gegen alle Anordnungen, die nicht von den Rabbinern ausgehen, vielleicht auch der Kostenaufwand zur Unterhaltung der Schulen, waren Ursache, daß die galizischen Juden die ersten Jahre gegen diese wohlthätige Erziehungsanstalt sich in dem Grade unwillig bezeigten, daß die Regierung gencthiget war, noch besondere Maßregeln zu ergreifen, welche der philosophische Geschichtsforscher Dr. J e c k e 1 mit vielem Fleiße gesammelt, und seinem klassischen Werke: Pohlens Staatsveränderungen und letzte Verfassun g***) einverleibet hat. Die wirksamsten derselben waren wohl die Verordnungen, daß kein Rabbiner gewählt werden konnte, der nicht die Kenntniß der deutschen Sprache besitzt, und daß nur derjenige Knabe den Talmud studieren darf, der sich ausweisen kann, die deutsche Schule mit Nutzen besucht zu haben. Um den Juden auch so viel möglich den religiösen Fanatismus, der von so vielen herumstreichenden Predigern und unberufenen Skriblern ausgebrütet und verbreitet worden ist, zu benehmen, hat die Staatsverwaltung ihr Augenmerk auch auf die Censur der rabbinischen Litteratur, und vorzüglich auf jene der Cabalistik gerichtet. Das Predigen in den Synagogen ist den wandernden Schwärmern durchaus untersagt, und die Censur dem gelehrten Israeliten, Herz Hombergs einem Feinde alles dessen, was gegen die gesunde Vernunft zu Felde zieht, anvertraut worden. Der nachdenkende Jüngling bereut nicht selten den Unfug, welchen er in der unbesonnenen Kindheit trieb, und dankts dem strengen Erzieher, daß er ihn mit Schärfe behandelt hat. So erging es auch den galizischen Juden! Als sie aus ihrer Lethargie erwachten, und zur Erkenntniß des Guten gelangten, beherzigten sie diese heilsame Anstalt, deren einziger Zweck ist, ihre Kinder zu brauchbaren und gesitteten Menschen zu erziehen. Der angeführte Schriftsteller, der über 10 Jahre sich in Lemberg aufhielt, folglich Gelegenheit hatte, die Sittlichkeit der Juden in der Nähe zu beobachten, gibt ihnen das Zeugniß, daß man seit der Besitznehmung Galiziens von keiner jener Vergehungen gehört hat, die man ihnen sonst zur Last legen wollte, daß man vielmehr gestehen müsse, daß die Juden anfangen, nach und nach moralisch besser zu werden, *) Auiiallend ist es, daß so etwas bey der bekannten Wohlhabenheit der hiesigen Judenschaft erst im Jahre 1810 geschah. **) Hofdekret vom 14. Februar 1811. ***) 2. Theil. G

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