B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 7 (9.1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 190 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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190 zeichnete Fabrikanten geworden sind. In den Bemerkungen über den Kulturzustand der Juden in Böhmen*) wird unter anderm angeführt: „daß unter den jetzt (1807) in Böhmen sich befindlichen 58 Leinwand-, Kotton- und Zitz-Fabriken 15 jüdische sind. Im vorzüglichen Flore sind die in und an der Hauptstadt sich befindenden jüdischen Fabriken. Die Leinwand-, Kotton- und Zitzmanufaktur der k. k. privil. Großhändler und Fabrikanten Gebrüder Koppelmann und B. Porges in Prag wird auf 90 bis 100 Drucktischen betrieben, wobey über 300 Personen unterhalten werden; die Fabriken von Przibram Sohn und M. Jerusalem besteht aus einer gleichen Anzahl Drucktische, und unterhält daher ebenfalls über 300 Personen; die Gebrüder Epstein haben 60 bis 70 Drucktische, und D o r m i t z e r 50 bis 60 Drucktische, und werden wohl zusammen an 100 Personen beschäftigen. Durch die Industrie der Prager jüdischen Fabrikanten allein finden also nicht nur an 1000 Personen — eine bedeutende Anzahl im Verhältnisse ihrer Bevölkerung allda, die nach den letzten Conscriptionstabellen aus 7058 Einwohner besteht — ihre Nahrung, sondern es werden auch daselbst Waaren erzeugt, die sowohl in Ansehung ihres Gehalts, als ihrer schönen und geschmackvollen Dessins, mit ausländischen Fabrikaten wetteifern. Bemerkenswerth ist es noch, daß die ersten Fabrikssubjecte, als: Koloristen, Modelisten und s. w theils durch sie selbst, theils durch ihre eigenen Söhne besetzt sind." Nebst den genannten Fabriken verdienen hier noch vorzüglich der durch Veredlung der Wolle, und durch den reichlichen Absatz ins Ausland sich auszeichnende Wollhandel des vor Kurzem in den Adelstand erhobenen Prager Großhändlers Simon Lämel, der Strumpfwirkermeister M. B o n d i, zu Lichtenstadt im Elbogner-Kreise Böhmens, dessen Arbeit von Baumwolle in Carlsbad, selbst von Ausländern für englische gekauft wird, die sehr ansehnliche Wollenwaaren-Fabrikatur des Jak. Höllers in Brünn, und das vieljährige rastlose Bestreben der hiesigen Großhändler, Hofmann und Lewinger, um die Verbesserung der inländischen Seidenkultur in dem Salader und Kreutzer Comitate und in der Militärgränze, erwähnt zu werden. Von dem Kulturzustande der jüdischen Jugend in Wien läßt sich zur Zeit nichts sagen, indem sie noch keine Schule besitzt, sondern in der Religion und Moral, wie in anderen wissenschaftlichen Gegenständen, bloß von Privatlehrern unterrichtet wird. Das Bedürfniß einer öffentlichen und zweckmäßigen Lehranstalt ist indessen auch bey dieser Judenschaft so fühlbar geworden, daß sie eine ansehnliche Geldsumme**) als Fond zusammengeschossen, zur Errichtung einer ordentlichen Schule angebothen, und um die höchste Erlaubniß, zum Behufe dieser Anstalt ein *) S u 1 a m i t h, eine Zeitschrift zur Beförderung der Kultur und Humanität unter der jüdischen Nation. Herausgegeben von D. Frankel und Wolf. 1. Jahrganges 10. Heft 1807 Dessau, im Verlage der Redaktion, uni gedruckt bey Christoph Schlieder. **) Im Monathe May 1810 bestand sie schon aus 52.272 Gulden.