B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 6 (6.1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 177 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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177 Logen zu vereinigen, weil sie dadurch viel mehr die Möglichkeit zu haben glauben, auf die Juden erzieherisch einzuwirken. Wenn ein Jude nach europäischen Begriffen nicht würdig wäre, Mitglied des B. B. zu werden, sei dies nach amerikanischer Ansicht geradezu ein Grund, ihn aufzunehmen, um ihn zu erziehen und auf ihn veredelnd einzuwirken. Soweit ich mir ein Urteil bilden konnte, besteht das Programm der amerikanischen Logen aus zwei Teilen u. zw.: 1. viele Mitglieder zu haben, um viel Geld für philanthropische Zwecke, wie Spitäler, Erholungsheime, Armenheime, Waisenhäuser und Ähnliches aufzubringen und 2. im Logengebäude ein Zentrum zu schaffen, in dem sich die weibliche und männliche Jugend zu Sport, Unterhaltung und Tanz trifft, um die jungen Leute, wie man mir sagte, zusammenzuhalten und zu verhindern, Andersgläubige zu heiraten. Die Frage der ethischen Erziehung und der Bildung der Juden ist nicht Gegenstand allzu großer effektiver Betätigung, im Gegenteil, die Stellungnahme zu diesem Programmpunkte ist bei den einzelnen Logen ganz verschieden. Von Portland fuhr ich nach San Francisco, wo ich mich einige Tage aufhielt. Ich benützte die Zeit, um Bruder Ashheim, dem Großsekretär des Distriktes 4, meinen Besuch zu machen; in Bruder Ashheim lernte ich einen B. B. alten Schlages kennen. Auch hier war mir das Glück hold, mein Aufenthalt fiel mit der Abhaltung einer Logensitzung zusammen. Ich wurde zu derselben von Bruder Solomons, dem Ordens-Vizepräsidenten, der in San Francisco lebt, vom Hotel abgeholt. Nach Eintritt ins Logengebäude erfolgte die usuelle Besichtigung des Schwimmbassins und des Gymnasiums (d. i. des Turnsaales) und der Nebenräume; sodann wurde ich in den Sitzungssaal geführt und dortselbst dem Präsidenten vorgestellt, der mich aufforderte, zu seiner Rechten Platz zu nehmen. Unmittelbar darauf begann die Sitzung. Ich sah bei dieser Sitzung deutlich das Konglomerat der amerikanischen Juden, die noch auffallend die Merkmale jener Länder verraten, aus denen sie eingewandert waren. Europäische Verhältnisse lassen sich nicht auf Amerika und amerikanische nicht auf uns anwenden. In Amerika ist der B. B. trotz vieler Unterschieden gegenüber den europäischen Logen doch nur ein ungemein wichtiger Faktor des jüdischen Lebens und der Orden als solcher genießt außerordentlichen Einfluß an allerhöchster Stelle und hat Großes und Gutes auch für die Judenschaft auf dem alten Kontinent geleistet. Amerika hat wohl nicht so gesiebte und ausgewählte Mitglieder in den Logen wie wir, aber, ohne vor dem Kapital eine Verbeugung machen zu wollen, hat Amerika doch zufolge der finanziellen Kraft seiner zahlreichen Mitglieder die großen Leistungen ausführen können, nicht zuletzt für unser Land, insbesondere für unsere Kriegswaisen, und es hat auf diesem Wege einen Teil unseres Ordensprogrammes erfüllt.