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B'nai B'rith · 1924-06-01 · 6 (6.1924) · p. Seite 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
6 (6.1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 169 (sequence 23)
Language
German
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i69 unser greiser Ordenspräsident zu der vorjährigen Sitzung des Exekutivkomitees nach Memphis fuhr, bat seine Gattin Bruder Seelenfreund, mit ihrem Manne ein gemeinsames Zimmer zu beziehen, weil sie für die Gesundheit des Gatten fürchte. Es war eine grausame Ironie des Schicksals, daß in diesem gemeinsamen Zimmer Bruder Seelenfreund starb. Nicht er hatte unseren Bruder Kraus, sondern dieser Bruder Seelenfreund in seinem Todeskampfe zu betreuen. Dieser Vorfall hat auf die Verfassung unseres alten Führers tiefen Eindruck hinterlassen; kurze Zeit darauf kam hierzu die Erkrankung seiner Gattin, die erst an dem Tage, als ich in Chicago war, aus dem Sanatorium heimgeschafft wurde. Durch eine notwendig gewordene Operation seiner Gattin war unser hochwürdiger Ordens präsident verhindert, seine alljährliche Erholungsfahrt nach dem sonnigen warmen Florida anzutreten, doch ist zu hoffen, daß er inzwischen diese Ferien nachholen konnte. Nachdem ich mich mit dem hochwürdigen Ordenspräsidenten eine geraume Zeit lang unterhalten hatte, kam ich auf den offiziellen Teil meines Besuches zu sprechen. Ich bemerkte vor Allem, daß der cechoslovakische Distrikt das Gefühl habe, daß durch das Ableben des Ordenssekretärs, Bruder Seelenfreund, zwischen uns und der hochwürdigen Ordensleitung eine Lücke entstanden sei, die in der Führung der hiesigen Geschäfte schwer fühlbar werde. Bruder Kraus erklärte mir, es sei dies ein Irrtum. So innige freundschaftliche Bande ihn mit dem dahingeschiedenen Bruder Seelenfreund verbunden haben, so müsse er als Präsident des Ordens konstatieren, daß gerade zu Bruder Seelenfreunds Zeiten das Sekretariat des Ordens leider nicht immer auf der Höhe gewesen sei. Bruder Seelenfreund war in Europa gewesen und hatte an allen Orten aus den edelsten menschlichen Gefühlen heraus Zusagen gemacht, von denen man in Amerika nichts wußte und deren nachträgliche Verwirklichimg unserem hochwürdigen Ordenspräsidenten oft schwere Sorgen bereitet haben. Es traten Mißverständnisse in der Auffassung in der Kriegswaisen-Fürsorge zu Tage. Viele Logen, welche in brüderlichem Gefühl große Beträge gespendet haben, haben dies in der Auffassung getan, daß es sich um eine einmalige, oder kurzfristige, höchstens auf 2—3 Jahre sich erstreckende europäische Hilfsaktion handelte und es sei heute diffizil, diese Schwierigkeit zu überbrücken. Aus den Mitgliedsbeiträgen von 12 Dollars pro Jahr werden mit Mühe und Not der Aufwand für den Betrieb der einzelnen Logen, der Großlogen und Exekutivkomitees bestritten. Wenn also Beträge für die europäische Kriegswaisenfürsorge benötigt werden, so sind diese nur durch ununterbrochenes Bearbeiten der amerikanischen Logen für freiwillige Beitragsleistungen zu beschaffen. Wenn wir uns die Mühe geben, uns in die Lage unseres hochwürdigen Ordenspräsidenten zu versetzen, so werden wir finden, daß er es manchmal recht schwer hatte. Er zeigte mir auf seinem Schreibtische einen Berg von Briefen, darunter viele, allzuviele Hilferufe aus allen Teilen der Welt. Bruder Kraus sagte wörtlich: „Es ist mir manchmal furchtbar. Ich muß die Kraft haben, dies alles schon mit einer gewissen Gleichgültigkeit hinzunehmen, denn sonst

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