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B'nai B'rith · 1924-06-01 · 6 (6.1924) · p. Seite 168

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Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
6 (6.1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 168 (sequence 22)
Language
German
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168 vorragender Weise. Er erzählte mir vieles aus seinem Leben. Auf mein Erstaunen über seine ausgezeichnete cechische Sprachenkenntnis, für deren Pflege er doch gewiß nicht allzuviel Gelegenheit habe, meinte er, daß dies eigentlich nicht so sehr zu verwundern sei, da er Jahrzehnte lang der Rechtsanwalt des Cesko-rimsky k a t o 1 i c k y spolek sei. Er war zu einer Zeit, als in Chicago vielleicht nur etwas mehr als 300.000 Einwohner waren, der einzige Advokat, der die cechische Sprache beherrschte. Es kamen dann wohl, um das Jahr 1900 herum, Zeiten, wo die Söhne der einzelnen cechischen Familien herangewachsen und Jus studiert hatten und deren Eltern auf die Idee gekommen waren, warum denn einen Jaden als Advokaten haben? Aber das dauerte nicht lange und seit 25 Jahren kam und kommt wieder einer um den anderen um Rat, hauptsächlich wohl auch deswegen, weil dies immer kostenlos erfolgte. An den Wänden des Privatbüros hingen Bilder, die Bruder Kraus in früheren Lebensjahren zeigten; Bruder Kraus war vor 25 Jahren auch der Herausgeber der „Chicago Times". Der hochwürdige Ordenspräsident kann sich an einzelne Brüder recht gut erinnern, meistens allerdings an Verstorbene, Expräsidenten des B'nai B'rith, insbesondere an Bruder Expräsidenten Skall seligen Angedenkens. Ich begann ihm Verschiedenes aus dem Prager Logenleben zu erzählen und kam auch auf die Debatte zu sprechen, die vor mehreren Jahren in den Prager Logen anläßlich des Austrittes eines Bruders aus der Loge abgeführt wurde und die die Frage betraf, ob jemand Ben B'rith bleiben bezw. werden kann, wenn er sich als Jude konfessionslos erklärt. Der hoch würdige Ordenspräsident meinte, daß er einer solchen Frage noch niemals gegenübergestanden habe und sagte: „Ich glaube, daß jemand, der die jüdische Religion ablegt, nicht Bruder bleiben kann." Er führte auch an, daß, wenn jemand als Sohn eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter ohne Religion aufgezogen werden würde, dieser unmöglich Bruder werden könne, weil der B'nai B'rith eine jüdische Organisation ist. Er führte dann weiter aus: „Ich habe hier jemanden gekannt, der nie als Jude hervorgetreten ist und auch nicht so ausgesehen hat. Er ist niemals in den Tempel oder in eine Kirche gegangen, er hat aber seine Glaubenszugehörigkeit zum Judentume niemals verleugnet. Ein solcher könne immerhin Bruder sein." Da der hochwürdige Ordenspräsident sah, daß ich mir, während er sprach, wiederholt Notizen machte, sagte er dann, daß er keinesfalls irgend eine Meinung als Ordenspräsident abgeben möchte, weder im bejahenden noch im verneinenden Sinne. Diese immerhin wichtige Frage müßte seiner Auffassung nach vor einem obersten Gerichtshof des B'nai B'rith entschieden werden. Da ich sah, daß der hochwürdige Ordenspräsident sichtlich den Wunsch hatte, in kein autoritatives Urteil hineingezogen zu werden, verließen wir dieses Thema. Im weiteren Gespräche kamen wir auf Bruder Seelenfreund zu sprechen, den verstorbenen Ordenssekretär, der beinahe zwei Jahrzehnte Seite an Seite mit unserem hochwürdigen Ordenspräsidenten gearbeitet hat. Als

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