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B'nai B'rith · 1924-06-01 · 6 (6.1924) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
6 (6.1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 170 (sequence 24)
Language
German
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170 würde ich zusammenbrechen. Nicht nur, daß sich die Logen und alle möglichen Organisationen der Welt an mich wenden, so kommt nunmehr auch noch dazu, daß persönliche Freunde von mir, denen es jetzt schlecht geht, mich um Hilfe anflehen, und das ist am allerschwersten zu ertragen. Jeder, jeder erwartet meine Hilfe, es ist zu viel!" Vor Kurzem hat Bruder Kraus Schreckensbriefe von dem sehr würdigen Großpräsidenten des deutschen Distriktes, Bruder Justizrat Thiemendorfer erhalten. Bruder Kraus hat, ohne das Exekutivkomitee zu befragen, 5000 Dollar per Kabel gesandt und weitere Gelder in Aussicht gestellt. Das Exekutivkomitee hat selbstredend, wie in allen Jahren seiner Tätigkeit, seine Handlungsweise nachträglich verifiziert und einen Betrag bis zu 25.000 Dollar für die vorläufige deutsche Hilfe bewilligt. Bruder Kraus sagt, daß die Situation in Deutschland so ist, daß er seine eigenen Kleider verkaufen würde, um Brüdern der deutschen Logen zu helfen, denn das könne er auf gar keinen Fall mit ansehen, daß Brüder des Ordens Hunger leiden. Wenn die Beträge nicht genügen und wenn sich die Situation in Deutschland nicht ändern sollte, plant er gemeinsam mit Bruder Louis Marshai, dem Präsidenten des amerikanisch-jüdischen Komitees, eine große Hilfsaktion. Aber auch außer finanziellen Hilfen und Ansprüchen steht der Orden oft vor großen Aufgaben. Ich weiß nicht, ob es den lieben Brüdern bekannt ist, daß der Orden B'nai B'rith sozusagen einen eigenen Gesandten in Washington unterhält. Dieser Quasi-Gesandte hat oft große Erfolge bei der amerikanischen Regierung im Weißen Hause, aber auch bei den diplomatischen Vertretungen europäischer Länder erzielt. Auf den dahingeschiedenen Bruder Seelenfreund zurückkommend, führte unser hochwürdiger Ordenspräsident aus, daß dieser nicht nur Ordenssekretär war, er war auch Großsekretär des betreffenden Logendistriktes, außerdem protokollierender Sekretär der Loge Chicago, überdies Vorsteher eines ungarischen Tempels und noch manch anderer Komitees und Institutionen. Dies war zu viel und die Durchführung der Agenden hat unter dieser Überlastung Bruder Seelenfreunds außerordentlich gelitten. Bruder Seelenfreund hatte dabei leider nicht die Gabe, Arbeit abzugeben und nur mit Mühe und Not gelang es dem hochwürdigen Ordenspräsidenten, die Agenden der Antidefamations-Liga, d. i. die Vereinigung zur Bekämpfung der antisemitischen Bewegung in Amerika, Bruder Seelenfreund aus den Händen zu nehmen, um dieselben Bruder Leon Lewis anzuvertrauen. Als dann ganz unerwartet und plötzlich Bruder Seelenfreund dahingerafft wurde, waren die Agenden der Exekutivloge in einem chaotischen Zustande und Bruder Leon Lewis ist nunmehr der Mann, der diese Agenden in Ordnung zu bringen hat und auch in Ordnung bringen wird. Der hochwürdige Ordenspräsident führte mich dann durch sein geräumiges Büro, in dessen Vorhalle riesige, schön geordnete Bücherschränke mit den Juridicis der einzelnen Staaten stehen und in das die Zimmer seiner o—4 juristischen Mitarbeiter münden..

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