B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 5 (5.1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 139 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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139 ersehnten Doktorhutes zu ermöglichen; Kultusgemeinden, Brüderschaften, Vereine, Stiftungen, Testamente und so weiter gewähren ganzen Scharen talentierten und leider auch sehr vielen nichttalentierten die Mittel, um sich kümmerlich einem ungemein schwierigen, mühseligen und entbehrungsreichen Studium zu unterziehen und nach aufreibender Jugendarbeit, zermürbt und für das praktische Leben nur recht einseitig erzogen, und ihre akademische Existenz beklagend, in das Leben zu treten. Würden alle die letzterwähnten Förderungen, und zwar nicht nur ihrem materiellen, sondern auch ihrem essentiellen Inhalte nach, auf das Ziel gerichtet sein, die jüdische Jugend in den Dienst der technischen Güterproduktion zu bringen, würden die stipendierten Knaben in die Fachschulen^ Gewerbeschulen, in die Meisterlehre, in den praktischen Fabriksbetrieb gebracht werden, würden diese jungen Leute zur Erleichterung ihres Eintrittes ins praktische Leben geldliche Unterstützung und nachdrückliche Förderung bei ihren ersten Schritten finden, würden sich Berufene darum bemühen, den jüdischen Handwerker, den jüdischen Gewerbetreibenden, dem Arbeiter, dem Meister Stellen, Arbeit etc. zu finden, würden die geistigen Führer des Judentums ihre Lehrer, Rabbiner, ihre Vereine nachdrücklich in diesem Sinne auf die breiten Schichten einzuwirken bestrebt sein, dann würde auch ein Erfolg nicht ausbleiben. Verschiedene Wege sind möglich, um eine solche Aktion in Angriff zu nehmen. Einer dieser sei in einigen kurzen Strichen nachstehend skizziert: Vorausgesetzt werde, daß die Großloge, angeregt durch einen dahinzielenden Antrag der w. Praga, alle Logen des Distriktes beauftragt, die Frage der Uberleitung eines größeren Teiles der jüdischen Jugend in Handwerk und Gewerbe zum Gegenstand eingehender Beratung und Stellung positiver Anträge zu machen, daß sich die Logen mit dem Gegenstande eingehend befaßt und zu dem Versuche entschlossen haben, die bezügliche Propaganda in die Hand zu nehmen, daß sich ferner die Großloge mit der Fürsorgezentrale in Verbindung setzt, und kooperativ mit dieser an die Konstituierung eines Zentralkomitees schreitet, das die Leitung der ganzen Propaganda zu übernehmen hätte, und daß dieses Zentralkomitee sich durch Schaffung zahlreicher über das Reich verstreuter Lokalkomitee die nötige Basis für eine weitausgreifende Aktion bildet, Meritorisch hätte die Propaganda zu umfassen: I. Die Berufsberatung. Jüdische Eltern, Vormünder, Pfleger, Waisenhausleiter wären aufzuklären. IL Verwendung von Mitteln öffentl. und von Privaten gewidmeten jüdischer Fonde. Kultusgemeinden, Wohltätigkeitsvereine, Waisenhäuser, Stiftungen etc. wären entsprechend zu beeinflussen. III. Werktätige Förderung, a) Subventionierung jüdischer Lehrknaben, b) Stipendierung jüdischer Gewerbeschüler, c) Reisestipendien für jüdische Handwerker und Gewerbetreibende, Werkmeister, Gehilfen und Arbeiter, d) Förderung von Gewerbetreibenden durch leihweise Beistellung von Kapital, von Mitteln zur Anschaffung von Motoren und Arbeitsmaschinen, e) Förderung jüdischer Gewerbetreibender durch Vergebung von Arbeiten bei Aufnahme jüdischer Lehrlinge, f) Schaffung eines Katasters solcher Stellen, wo jüdische Lehrlinge Aufnahme finden.