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B'nai B'rith · 1924-05-01 · 5 (5.1924) · p. Seite 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
5 (5.1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 138 (sequence 22)
Language
German
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138 Die Berufswahl im jüdischen Mittelstande. Von Br. Ing. S i g m. Edelstein, Inspektor der gewerbl. Fortbildungsschulen. Wohl sind die Schranken des Ghettos gefallen, vielerlei Hemmungen und Schwierigkeiten, die sie dem Juden einst in den Weg legten, sind weggeräumt, und dennoch sind auch heute noch mancherlei recht empfindliche Auswirkungen ihres traurigen Daseins zu verspüren, die ebenso die Gesamtheit wie den Einzelnen der Juden treffen. Daß insbesondere auch die Berufswahl im jüdischen Mittelstande von jenen Hemmnissen auch jetzt noch stark beeinflußt ist, bedarf wohl keiner näheren Begründung, es treten aber auch noch andere mitbestimmende Momente mehr allgemeiner Natur hiezu, die im ganzen Erziehungssytem der mitteleuropäischen Jugend begründet sind. Eine Untersuchung dieser Verhältnisse würde zu weit führen, nur die Tatsache soll festgehalten werden, daß der Jude den kaufmännischen und akademischen Berufen ausgesprochen zustrebt und sich der manuellen technischen Betätigung als Gewerbetreibender, als Handwerker, Werkmeister, qualifizierter Arbeiter u. dgl. weit seltener zu widmen entschließt. Sein Anteil an diesen Berufsrichtungen bleibt stark unter dem Prozentsatze zurück, den der Bevölkerungsschlüssel erwarten ließe. . Das ist ein Zustand, der nicht nur im Gesamtinteresse, sondern auch im Interesse des Einzelnen zu bedauern ist, und der es wünschenswert macht, jene Umstände, welche dieses Mißverhältnis verursachen oder seine Zurückdrängung hindern, nach Möglichkeit zu beseitigen. Gewiß läßt sich eine solche Umstellung, eine Uberleitung einer ganzen Volksschichte in eine andere Berufsrichtung nicht künstlich durchführen. Sie kann, volkswirtschaftlich gesprochen, immer nur das Ergebnis von Angebot und Nachfrage sein, immerhin wird man aber auf eines oder das andere Moment, das hier von Einfluß ist, vielleicht einwirken können, und einen solchen Versuch anzubahnen, ist die Absicht der vorliegenden Anregung. Abgesehen von den vorerwähnten Nachwirkungen der Ghettoverhältnisse liegt eine Ursache der Fernhaltung des Juden von der Teilnahme an der aktiven Güterproduklion vornehmlich in der durch Generationen anerzogenen Mentalität dieses Angehörigen des „Volkes des Buches", dem immer wieder das „Lernen", in jüdischer Bedeutung, das Philosophieren und Grübeln, als einzig menschenwürdige Betätigung gepriesen wird. Diese übrigens auch auf andere Völker überkommene Geringschätzung, die die manuelle Arbeit im Altertum im Orient gefunden hat, prägt sich ja noch recht lebhaft in unseren Zeiten aus, welche die sogenannten „geistigen" Wissenschaften, das Studium der alten Sprachen, der alten Kulturzustände, als unerläßliches, ja ausschließliches Requisit der Bildung betrachten. Und hier setzt nun eine sehr gut gemeinte, aber den heutigen Verhältnissen nicht Rechnung tragende Kraftwirkung ein, die jüdische Wohltätigkeit, welche das ungesunde Zuströmen der jüdischen Jugend auf die Universitäten auch in jenen Kreisen fördert, die schon aus materiellen Gründen davon Abstand nehmen müßten. Der letzte Groschen wird von dem Vater aufgewendet, um dem Sohne die Erwerbung des heiß-

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