Mannheim
Compact Memory

B'nai B'rith · 1924-05-01 · 5 (5.1924) · p. Seite 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
5 (5.1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 135 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9582244-9582244-9597803-9597934--0439-9597953
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

135 Die jüdische Toynbeehalle in Prag. Nach vierjähriger, durch den Weltkrieg verursachter Unterbrechung hat im Frühjahr des vorigen Jahres ein von den beiden Prager Logen und unserer Frauenvereinigung nominiertes vorbereitendes Komitee die Tätigkeit der Toynbeehalle versuchsweise aufgenommen. Der Versuch ist gelungen. Die beiden Prager Logen haben das Lokal, die Beheizung und Beleuchtung . sowie den notwendigen Gründungsfond zur Verfügung gestellt sodaß es möglich war, die Toynbeehalle von allem Anfang an in einem würdigen Rahmen auf ein bedeutendes geistiges und gesellschafdiches Niveau zu stellen. Schon die ersten im März 1923 veranstalteten Vortragsabende haben in das Prager Logenhaus Hunderte von jüdischen Frauen und Männern des unteren Mittelstandes gebracht, für welche die Veranstaltungen der Toynbeehalle den einzigen geistigen Genuß und ein künstlerisches Erlebnis bedeuten. Von diesem Erfolge angespornt, hat sich die Vereinsleitung entschlossen, die Tätigkeit des Vereines auf eine breitere Basis zu stellen. Der Prager Volksbildungsverein Urania gewährt den Frequentanten der Toynbeehalle freien Zutritt zu seinen Vorträgen und Veranstaltungen, der Prager Esperantoverein hat die Besucher der Toynbeehalle in seine Kurse unentgeltlich aufgenommen. Und so kann sich die Leitung der Toynbeehalle den großangelegten, alle 14 Tage stattfindenden Vortragsabenden widmen. Die Besucherzahl beträgt durchschnittlich 250 bis 300 Personen pro Abend, größtenteils Studenten und Studentinnen, kleine Angestellte und alte Leute. Jeder Vortragsabend besteht aus 2 Abteilungen, einem belehrenden Vortrag und einer künstlerischen Darbietung. An neun Abenden wurde eine Vortragsreihe „Der Anteil der Juden am Fortschritte der Kultur" abgehalten. Es wurden behandelt: Albert Einstein, Paul Ehrlich, Jehuda Halewy, Heinrich Heine, Ansky» Morris Rosenfeld, Josef Popper-Lynkeus, Walter Rathenau und Anselm Rothschild. Außerdem Jaroslav Vrchlicky, Bedfich Smetana und Lessing. An dem der Kunst gewidmeten Teile wurden die Besucher mit durchwegs hochstehenden, seriösen Schöpfungen bekannt gemacht. Es sei hervorgehoben, daß alle Vortragenden Brüder, die meisten Künstler Angehörige von Brüdern waren. In der Pause zwischen dem Vortrag und der künstlerischen Darbietung werden den Teilnehmern kostenlos Erfrischungen gereicht. Die Vorstandsdamen der Prager Frauenvereinigung und die weiblichen Mitglieder des Herdervereines rinden hier ein dankbares Betätigungsfeld. An dieser neuen Kulturstätte, die, wie sich zeigte, einem wirklichen Bedürfnisse entspricht, sind in erster Reihe die beiden Prager Logen, die Frauen- und Jugend Vereinigung beteiligt. In dem der Loge Praga gehörigen Studentenferienheime in Miröschau waren im Jahre 1923 45 Studenten in drei Turnussen zu je 15 untergebracht. Die Kosten bestritten die Fürsorgezentrale gemeinsam mit der Mensa academica judaica. Der unter der Patronanz der w. „Union" stehende israel. Freitischverein in Pilsen hat auch im verflossenen Jahre an eine große Zahl jüdischer Mittelschüler unentgeltlich ausreichende Mittags¬ und Abendmähler verabreicht. Durch eine vor wenigen Monaten gemachte größere Erbschaft hofft der Verein in die Lage zu kommen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.