B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 5 (5.1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 134 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Arbeitgeber und 1326 Arbeitnehmer; 457 Stellen wurden besetzt, sohin um 127 mehr als im Vorjahre. Der Umfang der Arbeitsagenda geht daraus hervor, daß dieser Besetzung 19787 Schalterbesuche und 4478 Zuweisungen vorangingen. Im allgemeinen ist noch immer die Nachfrage nach weiblichen Kräften größer, das Angebot solcher Kräfte geringer als das der männlichen. Der Verein will es sich, getreu seinen Tendenzen, insbesondere zur Aufgabe machen, ältere stellenlose Angestellte unterzubringen. Im Herderverein in Prag haben die Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse tiefgehende Veränderungen hervorgerufen und ihn wiederholt kritische Situationen überwinden lassen. Nicht ohne Interesse ist die Tatsache, daß an der Spitze des Vereines Männer stehen, die bereits vor 12 Jahren an seiner Wiege standen, während die übrige gesamte Mitgliedschaft erst in den letzten Jahren dem Vereine beigetreten ist; der ursprüngliche, von unseren Logen inspirierte Geist der Gründer, die alte Tradition des Herdervereins ist erhalten geblieben und wird in die Zukunft wirken. Und trotzdem haben es die jungen Leute verstanden, den neuen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Aufnahme von Mädchen, der man anfangs skeptisch gegenüberstand und die in häufigen Debatten bekämpft wurde. Es hat sich aber bald gezeigt, daß gerade diese Einrichtung berufen ist, dem Herderverein neue Arbeitsgebiete zu eröffnen und ihn segensreich wirken zu lassen. Neben der Beteiligung an den Veranstaltungen der Toynbeehalle haben die jungen Mädchen, größtenteils Töchter unserer Brüder, anerkennenswerte humanitäre Institutionen geschaffen. Schon im vorigen Jahre hat der Herderverein einen Mädchenhort gegründet und diese Gründung heuer weiter ausgebaut. Die jungen Leute haben es verstanden, gerade die Bedauernswertesten, die Ärmsten zum Gegenstande ihrer sozialen Betätigung zu machen: 13- bis 15jährige Waisenmädchen, heuer sind es 26, werden zweimal wöchentlich mit einem warmen Nachtmahl bewirtet und nach einem festumgrenzten Plan beschäftigt. Die Mitglieder des Herdervereins erteilen den Kindern, größtenteils Lehrmädchen, einen gründlichen Unterricht in den modernen Sprachen, Stenographie und kaufmännischen Fächern, die Kosten des Hortes tragen die weiblichen Mitglieder unserer Jugendvereinigung selbst. Ferner hat sich der Herderverein der Studentenaktion angenommen. Mehr als 80 Mitglieder haben sich verpflichtet, monatliche Geldbeträge zu leisten, die unter Aufsicht des Herdervereines individuell nach durchgeführten Recherchen ihren Zwecken zugeführt werden. Eine Reparaturwerkstätte für Strümpfe wurde eingerichtet, eine Buchbinderei wird geplant, um den armen jüdischen Studenten in ihrer freien Zeit eine Einnahmsquelle zu schaffen. Auch an der Sammlung für arme reichsdeutsche Kinder hat sich der Verein beteiligt und anläßlich des Ablebens unseres unvergeßlichen Großsekretärs Br. Dr. Spiegel eine größere Spende übermittelt. Doch im Vordergrund der Vereinstätigkeit steht die geistige, belehrende und fördernde Arbeit in den allwöchentlich stattfindenden Vorträgen und Debatten, die jedesmal ein überaus zahlreiches, aufnahmsfreudiges Publikum vereinen und in unserem Sinne befruchten.