B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 4 (4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 110 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Die ungünstige Lage eines großen Teiles der einwandernden, durchwandernden und auswandernden Ostjuden, insbesondere der erwerbslosen Arbeiter im Ruhrgebiet wurde von dem Abgeordneten Herrn Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn und dem Generalsekretär des jüdischen Arbeiterfürsorgeamtes Herrn S.Rudel geschildert. Die schwierige Lage der Intellektuellen, in west- und ostjüdischen Kreisen wurde von Herrn Eugen Caspary (Vorsitzender der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden) und Herrn Dr. P i n e s (Verb. d. russ. Juden) dargelegt. Der Stand und die Leistungen der Hilfsaktionen im Auslande wurden von folgenden Persönlichkeiten charakterisiert: Herr Oberrabbiner Dr. C h a j e s, Wien, schilderte die Lebensmittel- und Kinderaktion in Wien. Herr Justiz, Zürich, berichtete über die Versorgung süddeutscher Gemeinden durch die Schweiz, durch Liebesgaben und Geldsendungen an Anstalten, besonders notleidende Berufsstände u. s. w. Herr Dr. Wiesmeyer, Prag, gab einen Überblick über eine ganze Reihe von Teilaktionen in Prag und verschiedenen Orten in der Tschechoslowakei, Frau Frohnknecht und Herr Dr. P o 1 a k, Amsterdam, sprachen über die Sammlungen und Träger der holländischen Hilfsaktionen und Herr Traugott, Stockholm, über die Bestrebungen in Stockholm. Dr. Jochelmann, London, berichtete kurz über die bisherigen Anfänge einer Hilfstätigkeit für die Juden Deutschlands in England. Expr. Dr. Klee, Berlin, besprach die Systematisierung der bisher zersplitterten Hilfsaktionen in den einzelnen Ländern und die Schaffung von Zentralstellen dortselbst, nach dem Muster der Jüdischen Fürsorgezentrale in Präge Eine ganze Reihe wichtiger Fragen, z. B. Kinderverschickung, Liebesgabenpakete, die internationale Allgemeinhilfe u. a. wurden eingehend in Referaten in der Diskussion durch Dr. Hildesheimer, Anita Müller, Berta Pappenheim, Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes, Frau Frohnknecht, Vorstandsmitglied der holländischen Hilfsaktion ,,Amsterdamsch Central Comite voor hulp aan de noodlijende Joden in Duitschland", Advokat Sliosberg, Paris, Zewi A b e r s o n, Vertreter der Jüdischen Welthilfskonferenz in Genf, zu klären versucht. Das Gesamtergebnis der sehr gut besuchten und vom Geiste jüdischen Gemeinschaftsgefühles getragenen Versammlung verdichtete sich zu der nachstehend einstimmig angenommenen Hauptresolution: „Die anwesenden Vertreter der Jüdischen Welthilfskonferenz, auswärtiger und deutscher Hilfsorganisationen haben aus den vielseitigen und eingehenden Referaten zur Kenntnis genommen, daß die deutsche Judenheit alle Anstrengungen gemacht hat und macht, um der in Deutschland herrschenden Not Herr zu werden. Die auswärtigen Vertreter haben aber die Überzeugung, daß die tatkräftige umfassende Unterstützung des Auslandes weiterhin dringend erforderlich ist, damit die Anstregungen der Juden in Deutschland vollen Erfolg haben sollen. Eine Organisierung dieser Wohlfahrtsfürsorge des Auslandes etc. in Verbindung mit dem Reichsausschuß der jüdischen Gemeinden Deutschlands zur Verteilung von Auslandsspenden und dessen Ausführungsorgan, die Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden, ist jedoch unbedingt notwendig." Die Versammlung wurde in einer würdigen Stimmung durch Herrn Caspary und den Vorsitzenden Herrn Leo Motzkin, sowie durch mehrere andere Ansprachen der anwesenden Vertreter geschlossen, welche alle ihre Befriedigung darüber zum Ausdrucke brachten, daß in der Hilfsaktion der verschiedenen Länder nunmehr System hineingebracht werde und in denen anderseits die Hoffnung zum Ausdruck karn, daß in der allernächsten Zeit diese Aktion wesentlich vergrößert würde. Alle Anwesenden verpflichten sich zu einer weitgehenden Förderung und Propaganda der durch die Konferenz erstrebten Ziele. Es wurde der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden gemeinsam mit der Jüdischen Welthilfskonferenz übertragen, das Programm für die Fortführung der Aktion weiter auszuarbeiten. E. W.