B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 4 (4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 100 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Nicht zu einer pessimistischen Auffassung soll uns das Fragezeichen führen, sondern nur zu jenem gesunden Skeptizismus, mit dem wir aller „Wahrheit" immer begegnen müssen. Und wir vermeiden den Pessimismus, wenn wir uns dessen bewußt bleiben, daß „ewig irret die Welt, es sündigen alle Geschlechter, aber ein ewiges Licht leuchtet — das menschliche Herz." In dieser Erkenntnis allein werden wir den Geist bilden, aber dabei das Herz veredeln und diese Paarung von Verstand und Liebe führt zu der Erkenntnis, die uns mächtig fördert im Streben nach jener Wahrheit, die ein Teil des Inhaltes unserer ganzen Ordensidee ist. In diesem Sinne begrüßen die Mutterlogen ihr geliebtes Kind, in diesem Sinne grüße ich die neue, mit der inhaltsreichen Aufschrift geschmückte Burg als eine Burg unseres Distrikts, als eine Feste des ganzen Ordens!" Schließlich übermittelte noch Br. Expräs. Prof. Dr. Hofmann d. w. Philanthropia die Glückwünsche der übrigen Logen des Distriktes. Er knüpft an die Parabel Rückerts an, die von einem Herrscher berichtet, der sich auf eine weite Reise begab und, um der anregenden geistigen Lektür nicht zu entbehren, seine Schätze mit sich nahm und sieben Kamele damit belud. Die Last schien ihm aber zu schwer und er traf deshalb eine Auswahl für den Rücken eines einzigen Kamels, fand dann aber auch dies zu viel, wählte sodann nur ein einziges Buch aus und schließlich nahm er auch daraus nur einen einzigen Satz mit auf Reise. „So", führte Br. Expräs. Prof. Hofmann aus, „ist es auch mir ergangen. Im Gedanken setzte ich viel Schönes für meinen Glückwunsch zusammen, warf aber allmählich alles über Bord und fasse nunmehr den Glückwunsch unter den Eindrücken, die ich hier gewonnen, in dem einzigen Satz zusammen: „Freude und Dank für das Vergangene, Stolz für die Gegenwart, Vertrauen für die Zukunft." Schließlich knüpft auch Br. Expräs. Prof. Hofmann an den Namen „Veritas" und das Wahrheitsproblem an, betont bes. die in ihr liegende Forderung nach Toleranz, die gerade durch die Relativität aller Wahrheit begründet sei und formuliert den Ausdruck dieser Toleranz in dem Grundsatze: Nicht „entweder oder", sondern „sowohl als auch!" „Insbesondere sei" — so führt der Redner weiter aus — „die Verbundenheit mit der Vergangenheit stets lebendig zu erhalten. Als der Tempel von Salomo eingeweiht wurde, wollten sich, wie eine Legende erzählt, dessen Pforten nicht öffnen. Dies geschah erst, als Salomo den Namen seines Vaters David ausgesprochen hatte. Erst die Verknüpfung mit der Vergangenheit ließ die Gegenwart erstehen. So wollen auch wir dem Fortschritte huldigen, dabei aber nicht vergessen, daß wir den Zusammenhang mit der Vergangenheit lebendig erhalten müssen. Wenn wir das Judentum in seiner ganzen Entwicklung kennen lernen werden, dann werden wir auch das Judentum lieben lernen." Schließlich nimmt Br. Ho fmann noch Bezug auf die Aufschrift auf dem alten Saazer Stadttor: Du glückliche Stadt Saaz, du bist unbesiegt! Und daran knüpfte er die letzten Worte seines Wunsches: Bleibe auch unbesiegt auf dem Gebiete der Ordensidee. Bleibet, Ihr Brüder der „Ve-