B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 4 (4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 92 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Freibrief und den Hammer der Loge mit dem persönlichen Wunsche, daß es dem neuen Präsidenten stets beschieden sein möge, durch Hammerschläge den Brüdern nur Botschaften des Glückes und des Friedens zu vermitteln. Damit erklärte der s. w. Großpräsident die Loge „Veritas" für gesetz- und ritualmäßig installiert. Nunmehr ergreift der neugewählte Präsident der Loge „Veritas" Dr. Hugo Löwy das Wort zu seiner Installationsrede, in der er folgendes ausführt: „Es ist in der Menschennatur begründet, daß gewisse markante Wendepunkte des Lebens zu Rückblicken und Ausblicken Anlaß geben, zu Rückblicken in die Vergangenheit und zu Ausblicken in die Zukunft. Ein solcher Markstein im Leben unseres Ordens ist die Gründung einer neuen Loge. Wie sich im Kinde die Unsterblichkeitsidee des Menschen, das Fortleben nach dem Tode verkörpert, so beinhaltet auch die Gründung einer neuen Loge ein neues Zentrum unserer Idee, das das fernere Bestehen und Wachsen des Ordens und damit auch die Erweiterung seiner Einflußsphäre garantiert. Die Gründung unserer Loge gewinnt aber eine erhöhte Bedeutung dadurch, als es ja die erste Logengründung ist, die im Rahmen der csl. Großloge erfolgt. Mögen diesem ersten Wiegenfeste recht bald weitere folgen, die das Wachsen und Erstarken unserer Gemeinschaft im neuen Staate dokumentieren. Nun, liebe Brüder, wenn ich in diesem feierlichen Moment Rückschau halte, so drängt sich mir als besonders charakteristisch der Umstand auf, daß, als vor mehreren Jahren die Anregung auftauchte, eine Loge in Saaz zu gründen, die Saazer Brüder einmütig und entschieden sich gegen die Gründung ausgesprochen haben. Diesen ablehnenden Standpunkt haben wir bis in das letzte Jahr aufrecht erhalten. Erst als der Beschluß des Generalkomitees vorlag, die Gründung einer Loge in Saaz vorzubereiten, sind unter uns einzelne Stimmen laut geworden, die die Gründung der Loge befürworteten. Und die werbende Kraft dieses Gedankens hat in kurzer Zeit sich derart sieghaft erwiesen, daß schon bald darauf der nahezu einmütige Beschluß gefaßt wurde, die Logengründung in Saaz durchzuführen. Sie können dabei versichert sein, daß es nicht mangelnde Opferwilligkeit oder mangelnde Arbeitswilligkeit war, die uns so lange Jahre den Gedanken an eine selbständige Saazer Loge ablehnen ließ. Wir Saazer Brüder glauben uns rühmen zu können, daß wir in unserem kleinen Kreise die Devise unseres Ordens „Wohlwollen, Brüderlichkeit und Einigkeit" jeweils voll und ganz zur Geltung gebracht haben und daß wir in dieser Beziehung als „Winkelloge", wie einmal ein von uns sehr geschätzter Expräsident uns nannte, keine - der legitimen Logen nachgestanden sind. Aber es sprachen schwerwiegende Bedenken gegen die Gründung der Loge, insbesondere dagegen, ob eine Loge in einer so kleinen Stadt in materieller und geistiger Beziehung lebensfähig sein werde, ob nicht diese Loge erst recht dazu vorurteilt sein werde, eine Winkelloge zu bleiben, und wie ich offen zugeben muß —