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B'nai B'rith · 1924-04-01 · 4 (4.1924) · p. Seite 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
4 (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 91 (sequence 5)
Language
German
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91 in der wir leben, so wird sich Ihnen zweifellos eine weitgehende Ähnlichkeit beider Zeitperioden aufdrängen. So wie damals durchleben wir Tage, in der die sittiiche und die materielle Wohlfahrt des Judentums gefährdet ist. Wenn in einer derartigen Zeit eine neue Loge ersteht, so übernehmen die Gründer die Verpflichtung, daran zu denken, was die Loge nicht nur Ihnen zu bedeuten hat, sondern was sie den Juden ihrer Stadt, den Juden der Umgebung, ja schließlich dem ganzen Judentum zu bedeuten haben wird und das führt zur Frage: Was hat der Orden nicht nur den Brüdern, sondern vielmehr was der jüdischen Masse, was dem ganzen Judentum gebracht? Die Antwort lautet: Weniges, was sofort in die Augen fällt, und doch ist es weit mehr, als es bei bloß oberflächlicher Betrachtung zu sein scheint. Weit mehr als wir glauben ist in weite Schichten des Judentums die Kunde gedrungen, daß es eine große jüdische Organisation gibt, die sich bestrebt, überall Tempel der Menschenliebe und der Brüderlichkeit zu errichten, Zufluchtsstätten für Bedrückte und Duldende und diese Erkenntnis allein ist ihnen Trost und Halt. Und wenn sie auch oft nicht unser schützender Arm erreicht, den tröstenden Arm erkennen sie, der die Welt umspannt und in dessen Reiche, im Reiche des Wohlwollens und der Hilfsbereitschaft, die Sonne nicht untergeht. Die Erkenntnis dieses hilfbereiten Strebens allein, die Kenntnis der Tatsache, daß es Juden gibt, die ohne an Dank zu denken, sich mühen um zu helfen, diese Kenntnis allein ist es, die Tausende aufrichtet, Gedrückte hebt und vor mutloser Verbitterung bewahrt. In' diesem Sinne wurde die Gründung unseres Ordens eine soziale Großtat für das Judentum der Welt und in diesem Sinne soll auch die Gründung Ihrer Loge eine soziale Großtat werden für die Juden Ihrer Stadt, Suchen Sie aber, meine lieben Brüder, in dieser Betätigung allein nicht Ihre volle Befriedigung. Denken Sie an die Zerfahrenheit und den sittlichen Verfall unserer Zeit, dann werden Sie finden, wie notwendig es ist, daß Sie da stehen, nicht nur als materielle, sondern auch als geistige Helfer des Judentums, die verhüten sollen, daß das Judentum aus Verbitterung nicht moralisch zu Grunde gehe. In diesem Sinne beherzigen Sie das Wort Auerbachs: „Ihr Juden müßt große Menschenliebe besitzen, damit Ihr nicht verbittert werdet." Wenn Sie meine lieben Brüder, mich fragen werden, wie Sie dieses Vertrauen der Mitwelt zu ihrem gemeinsamen Gute machen können, so fehlt mir die Möglichkeit, Ihnen die Antwort zu präzisieren; denn diese Frage berührt, wie vieles in unserem Ordensleben, mehr die Empfindung als die Erwägung, und so kann ich die Antwort nur andeuten: Halten Sie fest die Stimmung, die Sie heute beseelt und die jetzt in diesem Saale herrscht! Dann, meine lieben Brüder, sind Sie auf dem richtigen Wege zu unserem großen Ziele! Diese Stimmung, meine lieben Brüder, sie gleicht mir der wunderbaren Morgenröte, die den hellen, sonnigen, glückspendenden Tag verkündet und ein heller, sonniger, glückspendender Tag sei Ihnen das Logenleben heute und immer! Dies ist der Glückwunsch, den ich Ihnen namens der Großloge heute entbiete." Als sich der stürmische Beifall gelegt hatte, der diesen Ausführungen folgte, übergab Br. Großpräsident dem neugewählten Präsidenten den

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