B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 4 (4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 90 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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90 sich dahin auswirkt, daß jeder im Andern seinen Nächsten, seinen Bruder erkennt; Gerechtigkeit, als Grundlage allen Gedeihens im öffentlichen Leben, im Leben der Staaten und Völker, Gerechtigkeit, ohne die es keinen Frieden gibt. Der dritte Arm bedeutet diesen Frieden, den wahren Frieden der Seele, des Gemütes, der notwendig ist, um uns empfänglich zu machen für alles Große und Schöne in der Natur und im Menschenleben. Der andere Teil der Menorah bedeutet drei andere Kardinaltugenden, erstens das Wohlwollen, jene Denkungsart, die es uns zur Pflicht macht, wohlwollend vom Nächsten zu denken, Wohlwollen, als dessen Ausdruck dann die Wohltätigkeit zu betrachten ist, die Hilfsbereitschaf, die Freundschaft. Der nächste Arm stellt die Brüderlichkeit dar, die nicht nur die Söhne unseres Bundes verbindet, sondern auch jene, die nie unsere Brüder werden wollen und können, mit einem Worte, alle Juden und darüber hinaus alle Menschen ohne Unterschied ihrer nationalen und konfessionellen Zugehörigkeit. Der letzte Arm bedeutet Eintracht. Wenn Wohlwollen unserem Denken und Brüderlichkeit unserem Fühlen die Richtung gibt, so soll Eintracht unserem Handeln Richtung geben, das uns befähigen soll, mit vereinten Kräften für all das einzustehen, was wir in unseren Logen lehren und üben. Wenn, meine lieben Brüder, Licht, Friede und Gerechtigkeit auf der einen Seite stehen, Wohlwollen, Brüderlichkeit und Eintracht auf der anderen, dann werden Sie mit Recht sagen, daß die eine Seite der Wegweiser für jeden aufrechten Menschen, daher auch für jeden Ben B'rith darstellen soll, im öffentlichen Leben, in der Gesellschaft, im Berufsleben, daß dagegen der andere Teil uns unsere besonderen Pflichten als Brüder lehrt; so wird der eine Teil der Menorah für uns zum Leitfaden für unser Handeln nach außen, der zweite Teil dagegen richtunggebend für unser inneres Logenleben und diese beiden Teile sind nun vereinigt durch einen siebenten Arm, durch die Wahrheit. Wahrheit für den Ben B'rith bedeutet nicht nur in den Logen, sondern auch draußen im Leben als Ben B'rith sich zu bewähren, alles das, was wir hier für wahr und richtig erkennen, draußen mit allen Kräften zu fördern und seine Verwirklichung anzustreben. Die Wahrheit ist es somit, die im Wesen des Ben B'rith den Schein vom wahren Sein scheiden soll. Diese „Wahrheit", meine lieben Brüder, haben Sie auf Ihr Panier geschrieben und damit haben Sie auch den Kreis gezogen, in welchem Sie sich sozial betätigen wollen. Und so wie jedes Wesen sich anpaßt, nicht nur der Zeit, sondern auch dem Milieu, in dem es entsteht und in dem es wird, so paßt sich auch eine jede Loge ihrem Milieu an. Sie haben Ihre Loge auf einem heißen Boden errichtet; nicht immer herrschte hier in Saaz jener Friede, der ein zielstrebiges Logenleben gewährleistet; ich denke nicht an die frühen Zeiten des Mittelalters, nicht an die Zeit der Hussitenkriege, geschichtliche Ereignisse, mit denen der Name Saaz vielfach verknüpft ist; ich denke vielmehr an jene nicht weit zurückliegenden Tage, die wohl alle von uns erlebt haben; ich denke an jene Tage, da der Antisemitismus gerade hier besonders hohe Wellen geschlagen hat. Und, meine lieben Brüder, wenn Sie jene Zeit vergleichen mit der,