B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 2 (2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 49 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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49 die das höchste erstrebt, das der Mensch für sich erstreben kann, die Selbstveredlung, die Selbstvervollkommnung, die ihn darüber zu belehren sucht, was man sein muß und wie man sein muß, um ein guter edler Mensch zu sein. Und wie muß es andererseits fördernd auf den Logenbesuch einwirken, wenn sich jeder Bruder sagen muß: Du darfst die Sitzungen nicht versäumen, weil es sich bei ihnen um Dein eignes Selbst handelt, um Deine geistige, Deine religiöse, Deine sittliche Erhöhung. Was bisher nach dieser Seite geschehen, war nur ein bloßes empirisches Herumtappen ohne leitendes Prinzip, jetzt aber muß diese Tätigkeit in ein bestimmtes führendes System gebracht werden. Bei der mir hier zur Verfügung stehenden kurzen Zeit kann ich unmöglich darauf näher eingehen, wie ich mir diese zielbewußte Selbstveredlung auf dem Boden des Judentums denke. Nur einzelne Grundlinien möchte ich hier zeichnen. Die Logen sollen sich zu Persönlichkeiten höherer Ordnung und zwar zu sozial-ethischen Persönlichkeiten entwickeln. Sie dürfen sich nicht darauf beschränken, ein Kultur-Wollen zu bekunden, sondern sie müssen selbst zu einem bewußten, wollenden Träger eines bestimmten Kulturprozesses werden. So sollen sie sich zu einer Denk- und Arbeitsgemeinschaft heranbilden. Aber es darf kein kaltes, intellektualistisches Spintisieren sein, das da hervortritt, sondern ein von den Kräften des Gemütes und des Wollens getragenes Streben und Handeln. Es sollen also die Logen gleichsam zu einer ethischen Gesellschaft auf dem Boden des Judentums werden. Gegenstand der Denkarbeit werde das Judentum und die jüdische Lebenslehre. Die Grundzüge hierfür sind bei den meisten schon von der Schule her vorhanden, durch die Loge sollen sie eine größere Weite und Tiefe erlangen. Bei der Fassung der Aufgaben muß vor allem der Begriff des Lebens verwertet werden. Jüdisches Geistesleben, jüdische Lebensanschauung, jüdische Lebensgestaltung sollen im Mittelpunkte stehen, um den Blick alsbald auf das Ethische zu wenden. Dadurch wird auch das allgemeine, religiöse Interesse geweckt, nicht nach einer bestimmten Richtung hin und im Sinne einer Partei, sondern in dem klar erkannten Bewußtsein vom überragenden Werte der jüdischen Religion und in dem Willen Jude zu sein. Aber es darf sich diese Selbstveredlung nicht bloß aus jüdischen Quellen nähren wollen. Das Judentum hat sich zu keiner Zeit hermetisch gegen die Außenwelt abgeschlossen und sich auch die Kulturerrungenschaften anderer zu eigen gemacht. Auch bei unserm geistigen und seelischem Aufbau seilen wir alle Errungenschaften im modernen Kulturleben, in Kunst und Wissenschaft, Poesie und Technik auf uns wirken lassen. In der Loge sollen wir nur lernen, als Juden an diese heranzutreten, als Juden sie auf uns wirken zu lassen. Solch eine Betätigung entspricht aber auch den Anforderunge i, die gerade in der Gegenwart infolge des unglücklichen Ausganges des Weltkrieges und der beklagenswerten Lage unseres deutschen Vaterlandes zwecks Anbahnung und Aufbaues einer besseren Zukunft in allen Lagern erhoben werden. An uns selbst wollen wir zunächst beginnen