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B'nai B'rith · 1924-02-01 · 2 (2.1924) · p. Seite 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
2 (2.1924)
Date
1924-02-01
Page
Seite 48 (sequence 16)
Language
German
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48 des Wortes, gegenseitige Beeinflussung in sittlicher und aesthetischer Beziehung den Hauptzweck des Logenlebens bilden müsse. Schon im Jahre 1886 wurde darum in der Großloge ein Ausschuß für geistige Interessen gebildet und im Jahre 1888 sagte der Großpräsident in seinem Berichte : „Wer das Leben und Treiben der Juden seit dreissig Jahren aufmerksam verfolgt hat, wird zugeben müssen, daß das jüdische Wissen, die Schriftkunde, jüdische Geschichte, nicht mehr Gemeirgut weiter Schichten der jüdischen Bevölkerung ist, daß vielmehr die Kenntnis des Judentums in allen seinen Formen weit weniger gesucht und geübt wird, die jüngere Generation nur ganz oberflächliche Kenntnisse von der jüdischen Wissenschaft besitzt, kaum eine Ahnung hat von der Erhabenheit und Schönheit der jüdischen Literatur, kaum eine Ahnung von den glorreichen Taten unserer Ahnen, von dem namenlosen Leiden unserer Altvordern . . . Die Geschichte unseres Volkes wieder aufzufrischen, wachzurufen die verklungenen Lieder unserer Dichter, zu verbreiten die Kenntnis vergangener Großtaten, zu erzählen von dem Elend und dem Unglück, das über Israel verhängt war, das ist so recht die Aufgabe unseres Ordens, nicht um uns in müssiger Weise zu weiden an der vergangenen Herrlichkeit, oder uns anzuklagen ob all der Traurigkeit, sondern um uns zu erheben an der Hand der Geschichte, um daraus Mahnung und Lehre zu schöpfen, wie wir uns veredeln und vervollkommen sollen (Geschichte des Ordens Bnei Brith in Deutschland von Maretzki S. 156). Es lag also diesem geistigen Streben neben dem Verlangen nach Erweiterung des vorhandenen Gesichtskreises, der Vertiefung und Ausdehnung des Wissens und der allgemeinen Fortbildung noch die bestimmte Tendenz zu Grunde, das jüdische Bewußtsein zu pflegen, um dem Orden in immer) höherem Grade eine jüdische Grundlage zu geben und ihn mit jüdischen Ideen zu durchdringen. Dies jüdische Bewußtsein sollte aber nicht in seichten Gefühlsregungen seinen Ausdruck suchen und sich von bloßen Stimmungen tragen lassen, sondern seine Kraft und seine Nahrung aus der hohen religiösen und ethischen Bedeutung des Judentums schöpfen, es sollte zu den Quellen führen und dadurch ein sicheres Fundament erhalten. Daß nach dieser Richtung schon ganz Erkleckliches geleistet worden ist, brauche ich in diesem Kreise nicht näher darzulegen, daß aber noch unendlich viel zu tun bleibt, wissen wir ebenfalls alle. Die Schäden, die der Großpräsident im Jahre 1888 in seinem Bericht geisselte, sind nicht kleiner geworden und schreien heut in erhöhtem Maße nach Heilung und Beseitigung. Und mehr als jede andere Institution ist der Orden berufen und geeignet, hier die bessernde Hand anzulegen. Das von ihm schon seit Jahrzehnten geübte diesbezügliche Streben muß bewußter, energischer, zielsicherer hervortreten, es muß vor allem in seinem Wahlspruch zum Ausdruck kommen, zur besseren Heranziehung aller gleichstrebenden Außenstehenden, zum Antriebe und zur Aneiferung für seine Mitglieder. Denn welche Anziehungskraft wird das Logenleben ausüben, wenn unser Aushängeschild es alsbald erkennen läßt: Dort ist eine Vereinigung

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