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B'nai B'rith · 1924-02-01 · 2 (2.1924) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
2 (2.1924)
Date
1924-02-01
Page
Seite 46 (sequence 14)
Language
German
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46 Worte Wohltätigkeit weder das umschrieben wird, was er geschaffen und vollführt und geleistet hat, noch daß wir dadurch die Forderungen und Pflichten kennzeichnen, die er seinen Mitgliedern auferlegt. Nein, meine lieben Brüder, es ist nicht bloße Wohltätigkeit, was der Orden von uns verlangen muß. Wohltätigkeit wollen wir den verschiedenen Vereinen überlassen, die auch heute noch in fast allen Gemeinden sich segensreich betätigen. Wohltätigkeit überlassen wir dem Einzelnen. Sie ist auch im Zeitalter der sozialen Betätigung nicht überflüssig geworden. Denn die Armut wird nicht völlig aufgehoben werden können. Für die Loge bleibt ein Höheres und Bedeutsameres. Es ist die soziale Betätigung, die sie sich und ihren Mitgliedern zur Aufgabe stellen muß. Und entspringt die Wohltätigkeit den mitleidsvollen Regungen des Gemütes mit der Not anderer, die sie zu lindern sucht, so hat die soziale Betätigung in einem verstärkten Pflichtbewußtsein ihre Quelle. Sie entspringt einer vertieften Auffassung des menschlichen Gemeinschaftslebens und der vorhandenen gesellschaftlichen Zustände. Sie verlangt ein innigeres Verständnis für des andern Lage und einer genau erwogenen und folgerichtig durchgeführten Organisation. Denn sie ist eine Wohlfahrtspflege nach bestimmten Voraussetzungen und Grundsätzen. Sie will nicht nur Einzelhilfe bei eintretenden Notständen bieten, sondern Verständnis und Interesse für alle Unternehmungen wecken, die der geistigen, sittlichen und materiellen Lage anderer zur Hebung werden können. Daß es Aufgabe des Ordens ist, auf diese Seite seiner Tätigkeit das Schwergewicht zu legen, wurde schon im Jahre 1888 von dem damaligen Großpräsidenten in seiner Ansprache an die Repräsentanten der Großloge mit den Worten ausgesprochen: „Wir sollen uns mühen, die soziale Seite des Judentums auszubilden, ein Zweig, der bis dahin wenig kultiviert ist. Die Einsicht in die Notwendigkeit der Arbeit für andere, der keiner sich entziehen soll, führt von selbst zu einer Adelung der Arbeit, an der jeder sich beteiligen soll nach Anlage und Kraft/' Drum: will der Orden zeitgemäß seine Forderungen gestalten und seine Kräfte zeitgemäß in den Dienst der Allgemeinheit stellen, will er Menschenwohl gründen und sichern helfen und alle seine Glieder für dieses Werk heranziehen, für dieses Werk begeistern, dann fordere er statt der bisherigen Wohltätigkeit soziale Betätigung, oder wenn wir einen einzigen deutschen Ausdruck dafür setzen wollen, dann fordere er: Wohlfahrtspflege. Dann kann kein Logen-Bruder fernerhin auch nur mit einem Schein von Recht sagen, dieser Forderung kann ich auch entsprechen, wenn ich nicht zu den fleissigen Logenbesuchern gehöre und nur bereitwillig die von mir geforderten Beiträge entrichte. Soziale Betätigung fordert nicht nur eine offene Hand, sie fordert den Menschen selbst, sie fordert sein Herz und seine Seele, sie fordert den Zusammenschluß der Kräfte, sie fordert Organisation und Planmäßigkeit, sie fordert persönliche Hilfeleistung. Und diese Erkenntnis wird bald alle Logenbrüder durchdringen. Neues

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