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B'nai B'rith · 1924-02-01 · 2 (2.1924) · p. Seite 45

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Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
2 (2.1924)
Date
1924-02-01
Page
Seite 45 (sequence 13)
Language
German
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45 die treu auf dem Boden des väterlichen Glaubens'stehend, sich dem Dienste der höchsten Menschheitsideale widmen wollten, ohne dabei von kleinlicher konfessioneller Beschränktheit angefeindet zu werden. Ihre Bemühungen waren schließlich von Erfolg gekrönt und am 21. März 1882 wurde mit der Gründung der deutschen Reichsloge dem Orden eine Pflegestätte in Deutschland geschaffen. Aber wenn die äußere Struktur des Ordens in Deutschland auch die gleiche war, wie in Amerika, so nahm er hier bewußtermaßen eine ganz andere Entwickelung. Denn während dort die gegenseitige Hilfeleistung und Unterstützung im Vordergrund der Logentätigkeit stand, stellte man hier nahezu von vornherein den Grundsatz auf: Nichts für uns, alles für andere, und verlieh ihr damit eine idealere Richtung. Trotzdem machte sich anfangs auch gegen diese Tätigkeit eine gewisse Gegnerschaft geltend. Man hob hervor, daß es zur Ausübung der Wohltätigkeit nicht des Ordens bedürfte, da diesbezügliche Einrichtungen in allen Gemeinden genugsam vorhanden seien. Und in Wirklichkeit war auch die Wohltätigkeit schon seit Jahrhunderten fast in allen Gemeinden gut geordnet. Doch unbeirrt von diesen Einwendungen ging der Orden seinen Weg, und es zeigte sich bald, daß er mit seinen Bestrebungen die gewöhnlichen Wohltätigkeitsvereine sehr schnell überflügelte. Er knüpfte dabei, wenn auch anfangs nicht in vollem, klaren Bewußtsein, an die Tendenzen an, die schon in biblischer Zeit bei dem jüdischen Volke in ganz einzigartiger Weise hervorgetreten waren. Wir werden wohl in der Bibel oft genug gemahnt, uns des Armen und des Dürftigen helfend anzunehmen, und ihn mit Gaben zu unterstützen. Weit mehr Gewicht wird aber auf die soziale Betätigung gelegt, um ihn in Stand zu setzen, sich aus eigner Kraft selbst zu helfen und wiederum empor zu arbeiten. Es bildet die Wohltätigkeit in ihrem gewöhnlichen Sinne dort gewißermaßen nur die Vorstufe, während die soziale Hilfe als die eigentliche Aufgabe erscheint. Dieser Umschwung in den Anschauungen von der Wohltätigkeit hatte sich auch in der Welt des vorigen Jahrhunderts infolge der gewalligen Errungenschaften auf dem Gebiete der Technik, des Handels und der Industrie seit Anfang der fünfziger Jahre nach und nach vollzogen. Ein großer sozialer, ethischer und philanthropischer Zug ging durch die Menschheit. Die Wissenschaft fing an, soziale Probleme zu behandeln, und soziale Aufgaben beschäftigten alle Kreise und Volksschichten. Auch im Orden trat dieser soziale Zug gar bald mächtig in die Erscheinung. In den ersten Jahrgängen arbeiteten die Logen noch in der herkömmlichen, zwar segensreichen, aber der vollen Tragweite ihrer Aufgaben noch nicht entsprechenden Weise. Doch zog d^e soziale Arbeit immer mehr in die Logen ein. Die Wohltätigkeit trat zurück vor dem Bestreben, Einrichtungen zu treffen, die die Ursachen der vorhandenen Notstände beseitigen sollten, und nicht Linderung der eingetretenen Not, sondern Herbeiführung besserer Zustände, lautete der Grundsatz Und wenn wir heute den Blick zurücklenken auf die in den 40 Jahren seines Bestehens von dem Orden getätigten Leistungen und dann seine heutige Wirksamkeit überschauen, dann müssen wir sagen, daß mit dem

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