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B'nai B'rith · 1924-02-01 · 2 (2.1924) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
2 (2.1924)
Date
1924-02-01
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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44 neutrale Feld für alle Parteien, die bestehenden Gegensätze wurden durch ihn überbrückt. Auch ein engerer gesellschaftlicher Verkehr wurde zwischen den Brüdern angebahnt, wodurch sie sich gegenseitig besser kennen, hochachten und schätzen lernten. Hand in Hand mit dieser inneren Erstarkung des Ordens ging dann die Erweiterung seiner Ziele: Und hatte er es anfangs, wie wir bereits gehört haben, abgelehnt, die Gründung allgemeinnütziger Institutionen als seine Aufgabe anzusehen oder offiziell bei solchen mittätig zu sein, so beschränkte man sich bald nicht mehr auf die Ausübung der stillen Wohltätigkeit und die Befestigung der angeknüpften Beziehungen durch gegenseitige Hilfeleistung und Unterstützung. Mehr und mehr trat er an die große Öffentlichkeit, wirkte mit bei der Errichtung von Schulen und gemeinnützigen Anstalten und lenkte dadurch die Aufmerksamkeit der Außenstehenden in immer höherem Grade auf sich hin. Schon nach wenigen Jahren hatte er weit mehr geschaffen, weit mehr geleistet, als die Devise Wohltätigkeit, Bruderliebe, Eintracht es vermuten ließ. Es waren diese Bezeichnungen nur noch Ausschnitte aus dem Kreise seines Wirkens, kennzeichneten und umschlossen aber nicht mehr sein Streben und seine Ziele. Und je mehr die Verhältnisse, auf die der Orden anfangs hatte bessernd einwirken wollen, sich zu ihren Gunsten veränderten, desto höher steckte er seine Ziele, desto mehr erweiterte er seinen Gesichtskreis. Und als am Anfang der 80er Jahre des vor. Jahrhunderts der Orden nach etwa vierzigjährigem Bestehen auch nach Deutschland verpflanzt wurde, da war er schon ein bedeutsamer Faktor im Leben der amerikanischen Juden geworden. Die Verhältnisse, aus denen in Deutschland der Wunsch nach seiner Einführung emporwuchs, und die Grundlagen, auf denen er sich aufbaute, waren ganz anders geartet, als die, welche in Amerika den Anlaß zu seiner Gründung gegeben hatten. Vor allem bot hier das jüdische Gemeinschaftsleben trotz der vorhandenen religiösen Spaltungen nicht das Bild der Zerklüftung, wie ehemals in Amerika. Nach außenhin zeigten die Juden eine gewiße Geschlossenheit, die sie erforderlichen Falles für einander eintreten und wirken ließ. Auch die intellektuelle und soziale Stellung derer, die in Deutschland dem Orden beitraten, ließ sie von vornherein berufen erscheinen, an dem Werke Anteil zu nehmen, das sich der Orden zum Ziele gesetzt hatte, während in Amerika die Neuaufgenommenen vielfach erst dafür herangebildet werden mußten. Außerdem trat in Deutschland bei der Gründung des Ordens noch ein Moment in Erscheinung, das man in Amerika gar nicht gekannt hatte: Der Antisemitismus machte sich in immer fühlbarer Weise geltend und drohte die Juden selbst aus den Gemeinschaften auszuschliessen, von denen man bisher angenommen hatte, daß in ihnen der Geist vorurteilsloser Humanität eine Pflegestätte gefunden habe. Und gerade dieser Umstand veranlaßte einige hochherzige Männer, die jene Zurücksetzung und Anfeindung an sich selbst erfahren hatten, sich um die Verpflanzung des Bnei Brith Ordens nach Deutschland zu bemühen, um durch ihn den Zusammenschluß aller derer herbeizuführen,

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