B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 2 (2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 43 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9582244-9582244-9597803-9597841--0338-9597852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 3 in selbstloser, edler und menschenfreundlicher Weise für andere ihre persönlichen un d materiellen Kräfte einzusetzen. Es war also ein recht enger Rahmen, den sich der Orden anfangs für sein Wirken setzte. Er glaubte sich erst konsolidieren und innerlich festigen zu müssen, ehe er mit seiner Tätigkeit vor die große Außenwelt treten wollte. Denn wie leicht hätten Fehlschläge eintreten und auf seinen Bestand nachteilig einwirken können. Darum zunächst die weise Beschränkung, die man sich um so eher auferlegen zu dürfen glaubte, als es von vornherein in der Absicht der Begründer lag, später die gesteckten Grenzen zu erweitern und auch die Keime einer reichen künftigen Entwickelung von ihnen ausgestreut worden waren. Um nun für die Betätigung der Wohltätigkeit eine feste Stütze zu schaffen, stellte man die Forderung der Bruderliebe auf. Durch sie sollten die Brüder lernen, sich als eine homogene Einheit zu betrachten, die von dem gleichen Gedanken getragen, von den gleichen Empfindungen sich erfüllt sehe. Im Bewußtsein des gleichen Wollens und des gleichen Strebens sollten sie sich geistig und seelisch mit einander verwandt und verbunden fühlen, um bereitwillig für einander einzustehen. Gerade weil die nach Amerika eingewanderten Juden sich zu einzelnen Gruppen, Synagogengemeinden, Verbänden zusammenzuschliessen pflegten, die sich, wie bereits erwähnt, oft voll Abneigung, wenn nicht gar feindselig gegenüberstanden, hielt man es für wichtig, in den Logen über jene Verbände und Synagogengemeinden hinaus das Zusammengehörigkeitsgefühl durch die Forderung der Bruderliebe zu pflegen und dadurch zur Förderung des Friedens beizutragen. Dies hielt man für eine so wichtige und bedeutsame Aufgabe, daß man ihr auch noch eine dritte Forderung anreihte, die uns in dieser Verbindung geradezu überflüssig erscheinen muß, nämlich die Eintracht. Denn wo man Bruderliebe fordert, da braucht man schliesslich nicht Eintracht als ein besonderes Postulat hinzustellen. Wie kann denn auch Bruderliebe sich geltend machen, wenn sie sich nicht vorallem in Verträglichkeit, Eintracht und in harmonischem Zusammenstehen äußert. Doch über diese logischen Erwägungen setzte man sich aus praktischen Gründen hinweg und damit stellte man für den Orden eine Devise auf, die angesichts der damaligen recht zerfahrenen Verhältnisse des amerikanischen Judentums bedeutsame Werbekraft in sich schloß und eine große Anziehungskraft auf die Außenstehenden ausübte. Es war vor allem die friedenfördernde Tendenz des Ordens, die in den Herzen aller Edeldenkenden einen lauten Widerhall weckte und bei ihnen den Wunsch rege machte, sich ihm anzuschliessen, um in seinem Bereiche sich den hehren Prinzipien des Judentums gemäß zu betätigen. Es dauerte denn auch nicht lange und der wohltätige Einfluß des Ordens trat in segensvoller Weise in Erscheinung. Ein neuer Geist machte in seinen Reihen sich bemerkbar. Das Benehmen der Einzelnen wurde würdiger, gemessener und friedfertiger. Die kleinlichen Streitigkeiten und häßlichen Zänkereien, die vorher sich in so unliebsamer Weise hatten bemerkbar gemacht, nahmen nach und nach ab. Der Orden wurde das