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B'nai B'rith · 1924-02-01 · 2 (2.1924) · p. Seite 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
2 (2.1924)
Date
1924-02-01
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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42 Einfluß, den das Vorbild des geistig höher entwickelten Bruders durch den fortgesetzten Verkehr und die enge Verbindung der Mitglieder unter einander langsam aber sicher auf die minder Geförderten ausüben würde. Demgemäß sollte sie zu einem Mittel ausgestaltet werden, durch welches Israel seiner geschichtlichen Mission in besonderem Maße gerecht werden könne, der Menschheit zum Segen zu werden und die Zeit herbeiführen zu helfen, die von unseren Propheten als das Heilziel aller menschlichen Entwickelung hingestellt wurde. Schließlich sollte sie auch dazu beitragen, das auch in Amerika vorhandene Vorurteil gegen die Juden durch die Lebensführung und das Verhalten ihrer Mitglieder zu beseitigen und die verschiedenen Bekenntnisse einander näher zu bringen. Unter diesen Auspizien wurde am 18. Oktober 1843 der Orden nach dem Vorbilde der Freimauerer und Odd-Fellow Logen als Orden Bnei Brith, als eine Vereinigung von Israeliten auf jüdischer Grundlage ins Leben gerufen. Als Wahlspruch für den neuen Orden und zur Kennzeichnung seiner Bestrebungen wählte man die Worte: benevolence, brotherlylove, harmony, die man durch die deutschen Ausdrücke: Wohltätigkeit, Bruderliebe, Eintracht wiedergab. Bei dem Begriffe Wohltätigkeit knüpfte man daran an, daß das ganze Sittengebäude des Judentums auf der Grundlage der benevolence sich aufbaue, und daß die verschiedenen Äußerungen der Menschenfreundlichkeit, der Schonung und der liebevollen Gesinnung gegen den andern in dem Gefühl des Wohlwollens ihre Quelle haben. Wohlwollen und nicht Wohltätigkeit wäre auch streng genommen der dem englischen Ausdruck adäquate Begriff gewesen. Er hätte schon deshalb den Vorzug verdient, weil er viel umfassender und beziehungsreicher ist, als die Bezeichnung Wohltätigkeit, worunter man für gewöhnlich nur die mit Geldopfern verbundenen Leistungen gegen Arme und Hilfsbedürftige versteht. Es sollte die benevolence die Ordensbrüder gleichsam zu einer großen Familie vereinen und ihr Gehaben und Verhalten zu einander durchdringen. Ein jeder sollte an dem Geschick des andern vollen Anteil nehmen, und um den Orden auch für die Förderung des materiellen Wohles seiner Mitglieder einzustellen, wurde ein ganzes System von Hilfeleistungen aufgestellt, nach dem man sich gegenseitig stützen und beistehen sollte. Als Hauptprinzip wurde dabei betont, daß über alle Vorgänge innerhalb des Ordens, und ganz besonders über die gegenseitig gewährte Stützung volle und unverbrüchliche Verschwiegenheit zu walten habe. Gemäß dem Grundsatz charity begins at home war die vom Orden gebotene Wohltätigkeit nur für die Brüder selbst bemessen, wenngleich es ihm von vorherein höchst wünschenswert erschien, daß seine Mitglieder die Angelegenheiten der außenstehenden Glaubensgenossen mit allen Mitteln und ganzer Kraft unterstützten. Dagegen lehnte er selbst es anfangs ab, seine Tätigkeit nach außen zu tragen und die Errichtung allgemeinnütziger Institutionen und die Pflege öffentlicher Wohlfahrt als seine Aufgabe anzusehen. Er wollte gleichsam nur eine Vorschule für eine umfangreiche Betätigung werden, in der die Brüder lernen sollten,

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