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B'nai B'rith · 1924-02-01 · 2 (2.1924) · p. Seite 41

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Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
2 (2.1924)
Date
1924-02-01
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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41 daß sie ihrem bisherigen Vaterlande den Rücken kehrten, um in der neuen Welt ein besseres Heim zu suchen, wo sie sich unbehelligt von Glaubens¬ und Rassenhaß ihren Fähigkeiten und Bemühungen entsprechend frei entwickeln konnten. Der größte Teil der Einwanderer, die hauptsächlich aus Deutschland kamen, ließ sich damals in New York nieder, und dort bildete sich nach und nach eine größere Anzahl von Gemeinden und Landsmannschaften, die in ihren Bräuchen, Sitten und Gewohnheiten an die Lebensauffassung ihrer ehemaligen engeren Heimat anknüpften und, eifersüchtig und argwöhnisch gegen einander abschlössen und oft gar sich feindlich zu einander verhielten. Daß bei einem solchen Verhalten auch das Ansehen des Judentums und der Judenheit Einbusse erleiden musste, läßt sich leicht denken. Blieb es doch nicht bei den kleinen Zänkereien in den Synagogenverbänden und Vereinen. Der Unfriede wurde vielmehr oft hinausgetragen in das gesellschaftliche und öffentliche Leben und entfremdete die Gemüter in dem Maße, daß immer größere Spaltungen und Zerklüftungen bei den Eingewanderten einzureissen drohten. Da rang sich nach und nach bei einzelnen hervorragenden und einsichtigen Persönlichkeiten der Gedanke durch, daß hier etwas Durchgreifendes geschehen müsse, wenn größerer Schaden verhütet werden solle. In dieser Erkenntnis reifte bei ihnen allmählich der Entschluß eine Vereinigung ins Leben zu rufen, die sich, ohne sich an die vorhandenen Verbände und Gemeinden anzulehnen, auf dem uralten festen Grunde des Judentums aufbauen und alle Edeldenkenden zur Pflege der Sittlichkeit und Wohltätigkeitsvorschriften vereinen sollte, um durch die Einigkeit, Harmonie und Frieden in und unter die Gemeinden zu tragen. Das war das nächste Ziel, das man ins Auge fasste. Uber dasselbe hinaus trug man sich aber im Stillen mit der Hoffnung, einstmals alle Juden Amerikas und im weiteren Verlauf das ganze Haus Israel zum Ruhme Gottes und zur Erfüllung der in alter Zeit am Sinai übernommenen Mission durch die neue Vereinigung zu verbinden. Von vornherein aber sollte sie zu einem festen Damm gestaltet werden, um dem zunehmenden Abfall vom Judentum und der sich mehr und mehr breitmachenden Gleichgültigkeit in religiösen Dingen eine Grenze zu setzen. Sie wollte es also versuchen, in anderer Weise als es in den Synagogen zu geschehen pflegte, den dem Judentum innewohnenden Gehalt, dessen Schönheit und Beseligungskraft ihren Mitgliedern zur Kenntnis und zum Bewußtsein zu bringen, um sie völlig mit ihm verwachsen zu lassen und sie dafür zu begeistern. Einheitliche jüdische Gesinnung sollte für alle das Bindeglied werden, und dadurch sollte die amerikanische Judenheit zu kräftigem Aufwärtsstreben emporgeführt werden. Da ein großer Teil der Eingewanderten sich auf verhältnismäßig niederer Kulturstufe befand, sollte die neue Schöpfung zugleich zu einem Erziehungsmittel in geistiger und ethischer Beziehung, zunächst für den Einzelnen und dadurch auch für die Gesamtheit ausgestaltet werden. Eine besondere Wirkung versprach man sich hierbei von dem wohltätigen

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