B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 2 (2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Macht bewährt und das auch in der Folgezeit seine Anziehungs- und Werbekraft in unverminderter Stärke auf die Außenstehenden ausübt? können wir ihn auch heute noch als Inbegriff alles dessen ansehen, wessen wir Logenbrüder uns zu befieissigen haben, wofür wir alle Edeldenkenden gewinnen wollen und wodurch wir uns selbst und anderen zum Segen zu werden suchen? Ich sage: „Nein". Aber dieses Nein erwächst nicht aus dem Gefühl der Unzufriedenheit mit dem, was der Orden bisher geleistet hat. Es ist auch nicht das Ergebnis einer seichten Neuerungssucht. Denn welcher Bruder muß sich nicht innerlich gehoben fühlen, wem wird sich nicht die Brust mit berechtigtem Selbstgefühl ob seiner Zugehörigkeit zum Orden füllen, wenn er die von diesem auf so vielen Gebieten entfaltete nicht hoch genug einzuschätzende, segensreiche Tätigkeit überschaut. Und wer wird angesichts solcher Leistungen ohne gewichtige innere Gründe die bisherige Flagge ändern wollen, unter deren glorreichen Führung so herrliche Siege errungen wurden! Doch ich muß sagen, daß nicht durch die Begeisterungskraft jenes an und für sich recht schönen Wahlspruches man zu so edlem Wirken gelangt ist, sondern daß der Orden durch dem ihm innewohnenden Geist längst über den ihm einst gezogenen Rahmen hinausgewachsen ist, daß bei ihm die Kraft die Form gesprengt hat und daß er sich unter der Leitung weitauschauender Führer ein viel größeres Betätigungsgebiet geschaffen, als es die bisherige Ordensdevise erkennen läßt und daß gerade darum das Panier geändert werden muß. Um diese Behauptung zu erweisen, bedienen wir uns zunächst eines geschichtlichen Rückblickes in die Entstehungszeit des Ordens in Amerika, wo ihm von seinen Gründern zur Kennzeichnung seiner Bestrebungen und Geltendmachung seiner Ideale das Leitwort mit auf den Lebensweg gegeben wurde, das uns von dort überkommen ist. Daran anschließend wird dann darzulegen sein, wie die Verhältnisse, die jene Männer im Auge hatten und durch die sie auf den Orden bessernd einzuwirken suchten, vielfach andere geworden sind, daß aber unter den gewaltigen Umwälzungen, die in der Neuzeit auf allen Gebieten sich vollzogen haben, des Ordens weit größere Aufgaben harren als bisher, die nicht in unserem Ordenswahlspruch mit inbegriffen sind, und die darum eine Kennzeichnung durch einen ihnen entsprechenden Sinn- und Wahlspruch erheischen, damit der Außenstehende alsbald erkenne, welchen Zielen der Orden zustrebt und er sich von ihm und seinen Bestrebungen angezogen fühle, damit der Ordensbruder im Hinblick auf den gemeinsamen Wahlspruch sich seiner Ordenspflichten immer wieder bewußt und stets aufs neue für das übernommene Werk begeistert werde. So sollte die geplante Vereinigung die Pflegestätte alles Schönen, Großen, Edlen werden und alle höheren Forderungen des Lebens sollten bei ihr Verständnis und Förderung erfahren. Meine lieben Brüder! Als nach den Freiheitskriegen und dem daran sich anschliessenden Wiener Kongress die Reaktion in fast allen Ländern Europas einsetzte, besonders gegen die Juden sich geltend machte, erschien dieses Zurückdrängen in die alte Rechtlosigkeit so unerträglich,