B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 2 (2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 ihm Türen, die anderen streng verschlossen blieben und machte ihn bei allen Behörden und Ämtern, bei den höchsten wie bei den untersten, zu einem stets gerne gesehenen Gast. Nach kurzer, kinderlosgebliebener Ehe verwitwet, heiratete er seine nunmehrige Witwe, eine geborene Schärfer aus Bielitz, mit der er durch mehr als 3 Jahrzehnte in harmonischer, glücklicher und mustergültiger Ehe lebte, aus der 2 Kinder, ein Sohn u. eine Tochter entsprossen. An Gattin und Kindern hieng er mit abgöttischer Liebe und war ihnen der fürsorglichste und liebesvollste Gatte und Vater. Das ruhige Familienglück und der erfreuliche Umstand, daß er von kleinlichen Sorgen des Alltags meist verschont blieb, ermöglichten es ihm, dem Drange seines Herzens zu folgen und seine überschüssigen Kräfte der Öffentlichkeit, insbesondere dem von ihm heißgeliebten Judentum zu widmen. Als bewußter Jude, der er immer war, lange bevor dieses Wort, zum Schlagwort geworden war, trat er überall und zu jeder Zeit für das Judentum mit Wort und Tat ein und überall, wo es galt, Judennot und Judenelend zu lindern, war er unter den Helfern und Kämpfern zu finden. Und wo immer im alten Österreich und später in der csl. Republik Männer zusammentraten, um jüdische Interessen zu beraten und zu verfechten, da war Dr. Sonnenschein unter ihnen. Bald stand er an der Spitze unserer Kultusgemeinde, , in welcher Eigenschaft er durch 30 Jahre zu unserem Wohle wirkte. / Seiner Energie») seinem Wagemute und seinem Optimismus ist es zu danken, daß in Troppau der Tempel gebaut wurde, mit dem er sich in der Gemeinde ein unvergängliches Denkmal selbst geschaffen hat, der neue Friedhof war sein Werk und die meisten Wohlfahrtsvereine verdanken ihm ihre Entstehung und Förderung.' Sein 25jähriges Jubiläum als Kultusvorsteher war ein Festtag für die Gemeinde und reiche Ehren wurden ihm zuteil. Als werktätiger Arbeiter, der immer schaffen mußte und Vielrederei nicht vertrug und der nicht so leicht jemand finden konnte, der ihm an Eifer, Arbeitskraft und Arbeitslust gleichkam, entwickelte sich naturgemäß ein Zug von Autokratie in seinem Wesen. Dieser Autokratie hat die Gemeinde und haben die Juden viel von dem zu danken, was geschehen ist und was ohne diese unterblieben wäre und sie gereichte denen, für die er arbeitete und schuf, zum Wohle und Segen. Ihm selbst aber wurde sie zur Quelle mancher Enttäuschung und Bitternis. Sie vertrug sich nicht mit dem Geiste der neuen Zeit, und so räumte er seinen Platz in der Kultusstube neuen Männern. Allein Dr. Sonnenschein war ein Lebensbejaher u. Lebensgenießer, der auch aus den Enttäuschungen und Unanehmlichkeiten, die ja keinem Menschen erspart bleiben, sich immer wieder zur aufrechten Arbeit und zur Lebensfreude zurückzufinden wußte. Konnte er seine Kräfte nicht mehr der Kultusgemeinde, die ihn zu ihrem Ehrenpräsidenten machte, widmen, so ließ er sie doch für sein geliebtes Judentum nicht ungenützt. Er kämpfte nicht nur umso intensiver für seine Lieblingsidee, für die er schon seit Jahren arbeitete, alle Juden seines Vaterlandes durch einen Verband der Kultusgemeinden in einer staatsrechtlich anerkannten Weise zu organisieren, eine Arbeit, bei der er gerade jetzt einen Erfolg in naher