B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 1 (1.1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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13 werden, ob man von ihnen erwarten kann, daß sie die Erwartungen der Loge erfüllen werden. Bruder Dr. Wodak warnte eindringlich vor überstürzten Neuaufnahmen und fand die Billigung aller Brüder des Komitees. Das zweite Referat des Br. Expr. Bischitzki über den Pazifismus gab Anlaß zu einer sehr eingehenden Debatte, dessen Ergebnis man mit folgenden Worten zusammenfassen kann. Pazifismus ist mehr als „nie wieder Krieg", es ist das Bestreben, die Gegensätze zwischen den Menschen zu überbrücken, die Menschen zu einigen. Dies stimmt mit den Zielen des Ordens überein und es ist daher der Anteil an dieser Bewegung unsere Pflicht. Aber wir sollen nicht nur (ohne als gesonderte Gruppe aufzutreten) an pazifistischen Aktionen teilnehmen, sondern vor allem durch Erziehung der Brüder und durch strenge Selbsterziehung im pazifistischen Sinne intern arbeiten. Bruder Oskar Stein, der das dritte Referat über das Thema „Soll sich die Loge jüdisch betätigen" hielt stellt folgende Fragen auf: 1. Ist es Zweck der Loge sich ausschließlich oder vornehmlich jüdisch zu betätigen? 2. Kann die jüdische Betätigung Mittel zu höherem Zweck sein? 3. Ist die ausschließlich jüdische Betätigung notwendig, um seine Pflicht als Jude zu erfüllen? 4. Ist der Grundsatz politische religiöse und nationale Gesinnungsfreiheit zu bewahren für uns als Bnai Brith wichtiger als irgendeine jüdische Propaganda? 5. Inwieweit können wir zu jüdischen Problemen Stellung nehmen ohne dem Geist des Ordens zu widersprechen? 6. Darf die Loge als solche zu irgend einer jüdischen Frage einen das Judentum negierenden Standpunkt einnehmen? Es sind vorher wohl kaum diese Fragen mit solcher Schärfe im Logenleben aufgerollt worden und sicherlich nie so umfassend wie es Br. Oskar Stein tat, der den Komplex der Probleme in seinem ganzen Umfange von einem Extrem bis zum anderen anging. Es war zu erwarten, daß dies die Gegensätze, die unter den Brüdern in der Auffassung des Judentums bestehen, aufrühren wird. Und doch führte die Debatte zu einer Annäherung. Es zeigte sich, daß vieles, was theoretisch schweres Problem ist, praktisch von selbst Lösung fand und daß in diesen Fällen die Brüder nicht in der Lösung selbst, sondern nur in der Erklärung, warum es zu dieser Lösung kam, je nach ihrer Einstellung zum Judentum auseinandergehen. Zu einer vollständigen Einhelligkeit kam es nicht, aber man kann doch das Resultat der Debatte ungefähr mit folgenden Worten zusammenfassen. Die jüdische Betätigung wurde gebilligt als Mittel zu höherem menschlichem Zweck und als Gegengewicht gegen die allgemeine Zurücksetzung der Juden. Sie soll den allgemein menschlichen Idealen entsprechen, der Weg zum höheren Menschentum sein. Wir sind im jüdischen Leben eingestellt und deshalb ist jede unsere Betätigung jüdisch betont. Wenn