B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 1 (1.1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 8)
- Language
- German
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Höchstes Schaffen könne nur durch Vernunft und Freiheit gedeihen. Die Quelle allgemeiner Normen könne einzig und allein die Vernunft sein. Br. Expr. Dr. Heller benützt zur Begründung seiner Ansicht den von Kant aufgestellten kategorischen Imperativ und deduziert dann weiter. Mit dem Fortschreiten der Vernunft muß die Erkenntnis reifen, daß sich uns Veredlung und Vervollkommnung als höchstes Lebensziel darstellen muß Dieser Gedanke ist nicht neu und von Plato hat ihn schon Komenius und der Humanismus des 18. Jahrhunderts übernommen. Durch unsere Klassiker hat er dann die höchste dichterische Weihe bebekommen. So hat auch Goethe uns in seinem „Faust" in dieser Form den tiefsten Sinn des menschlichen Lebens offenbart. Redner bespricht sodann die Wege, die zur Veredlung führen und sagt, daß jede Kulturarbeit in sich zusammensinken müßte, wenn wir nicht hoffen dürften, daß sich der Ertrag der Kulturarbeit von einem Geschlechte auf das andere vere:bt und so die Menschheit allmählich den Weg zur Höhe finde. „Nur in reiner Menschlichkeit können wir das höchste Ziel gemeinsamen Zusammenlebens erblicken. Unsere Arbeitskraft aber müßte erlahmen, wenn wir glauben würden, daß wir mit unserem Streben allein bleiben. Haben wir einmal erkannt, daß der sittliche Idealismus als Weltanschauung die Grundlage unseres Ordens bleiben muß, dann ergibt sich alles andere aus dem Wesen dieser Weltanschauung. In unserer ganzen Lebensführung müsse das reine und edle Menschentum zum Ausdrucke kommen. Sittlicher Charakter, sittliche Reinheit und sittliche Freiheit bilden das, was der Orden von uns fordert. Unsere beschworene Pflicht sei es, vorerst in diesem Sinne an uns selbst zu arbeiten. Jede einzelne Loge müsse deshalb eine Schule wahrer Humanität sein. Wenn jeder Einzelne seine Pflicht erfüllen wird, dann erst werde unser Ideal erreicht sein." Rauschender Beifall der Brüder dankte dem Redner für die auch der Form nach glänzenden Ausführungen. Das Wort nahm sodann der s. w. Großpräsident Dr. Josef Popper. Er dankte vorerst für die brüderliche und feierliche Begrüßung, dankte ferner für das ihm überreichte Ehrenexemplar der Festschrift, die er als bleibendes Zeichen des Gedenkens und des Freundschaftsverhältnisses, das ihn mit der „Bohemia" verknüpfe, behalten wolle. Er sagt dann in seinen weiteren Ausführungen, er wolle die vom Festredner aufgeworfene Frage, ob die Bohemia stets bemüht gewesen sei, unserer Ordensidee weitere Verbreitung und tiefere Bedeutung zu verschaffen, zu beantworten versuchen. Er könne diese Frage nur bejahen und behaupte, daß die Bemühungen der „Bohemia" von den schönsten Erfolgen gekrönt waren. Mit der Gründung der „Union" und der „Bohemia" habe unser Ordensgedanke seinerzeit im Gebiete der gewesenen Monarchie erst festen Fuß gefaßt und durch Gründung späterer Logen sei unser Ordensgedanke verbreitet, und durch die Art der Betätigung und die sorgfältige