B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 1 (1.1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Auswahl der Brüder vertieft worden. Wenn man die Gründung der „Bohemia" verstehen wolle, müsse man sich in die Zeit hineinversetzen, in der sie erfolgte. Es war nicht eine Zeit des nominellen Uberganges an der Jahrhundertswende, sondern eine Zeit wirklichen Gährens. Die verschiedensten Bestrebungen kämpften miteinander und in all diesem Zwiespalt mußte in jedem wahrhaft menschlich Denkenden die Sehnsucht entstehen, aus diesem Zwiespalt herauszukommen. Und in diese Zeit fällt die Gründung der Bohemia. Wenn wir uns die Frage vorlegen, durch welche Mittel die Gründer damals diesem argen Zwiespalt steuern wollten, so müssen wir uns sagen, sie wollten die Juden aus ihrem Indifferentismus erwecken und wollten durch wahrhaft edeldenkende Juden auf die Menschheit veredelnd wirken. Wenn wir Erinnerungsfeste feiern, so führte der s. w. Großpräsident weiter aus, sollen wir uns auch fragen, in wie weit wir den gesteckten Zielen näher kamen. Da können wir uns sagen, daß der einstige Indifferentismus nichtmehr bestehe. Und das sei allerdings nur zum kleineren Teil ein Verdienst unseres Ordens, den Hauptanteil könne jene Bewegung für sich in Anspruch nehmen, die sich die Organisation der jüdischen Massen zum Ziele setzte. Unsere Bewegung sei in unserem Distrikte nie eine Massenbewegung gewesen. Wir wollten durch Beispiel auf die Massen erziehlich wirken. In dieser Richtung habe die „Bohemia" aber viel mehr erreicht als sich durch Jahresberichte und Ziffern ausdrücken lasse. Die böhmische Judenschaft stehe in moralischer und sozialer Beziehung achtunggebietend unter den Juden da, und das sei ein großes Verdienst der Logen überhaupt und der Bohemia im besonderen. Wenn wir dennoch heute — so sagt der s. w. Großpräsident weiter — mehr denn je um uns Kampf und Feindschaft sehen, so muß in jedem von uns der heutige Festtag das Verlangen entstehen lassen, durch Menschenliebe auf die Menschheit zu wirken. „Es möge —" so schließt der s. w. Großpräsidnet seine Ausführungen — „auch in künftigen Lustren den Brüdern der „Bohemia" vergönnt sein, in der Loge den inneren Frieden zu finden und Feste zu feiern, die verschönt seien durch Eintracht und Brüderlichkeit." Nachdem sich der Beifallssturm, der diesen Ausführungen folgte, gelegt hatte, ergriff der Präsident des w. Prag a, Dr. Max Lasch das Wort. Er betonte die Dankbarkeit die die „Praga" der „Bohemia" als Gründerin und Lehrerin zolle, und sagte, daß die Praga mit ihrer älteren Weggenossin in enger Zusammenarbeit verbunden sei. Sein Wunsch klingt in den Worten aus, die Bohemia möge sich stets entwickeln und gedeihen. Namens der übrigen, am Feste durch Delegierte vertretenen Logen spricht dann der w. Präsident der „Philanthropia" Prof. Dr. H o f f m a n n. Man müsse, so sagt der Redner, jede Körperschaft darnach beurteilen, wie sie ihre Feste feiert. Fröhliche Weihe sei die Stimmung, die uns heute alle beseele. Er verdolmetscht dann die Wünsche, welche die Logendelegierten für das fernere Gedeihen der „Bohemia" hegen.