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B'nai B'rith · 1924-01-01 · 1 (1.1924) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
1 (1.1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 3 (sequence 7)
Language
German
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3 künftiges Lebensgebäude aufrichten wird und die ihn erst befähigen, sich ein Ziel zu setzen, dasselbe anzustreben und unter ungünstigen Umständen auch zu erreichen. Ganz anders sind die ersten drei Dezenien unserer Loge zu werten. Dann einmal waren die Grundlagen bereits bei Gründung unserer Loge gegeben und dann ist das Ziel, das wir nicht selbst uns gesteckt haben, das vielmehr unsere Ordenszugehörigkeit uns vorschreibt, auch durch intensievste Arbeit vieler Generationen kaum, oder doch nur sehr schwer zu erreichen. Der Krieg und die Nachkriegszeit haben uns von unserem Ziele weiter entfernt als wir je davor gestanden sind, und dieser Umstand ist geeignet, einzelne kleinmütige Brüder unter uns, die von der Wahrheit und Richtigkeit unseres Ideals nicht fest überzeugt sind, wankend zu machen und in ihnen Zweifel zu erwecken, ob die Grundlagen, die vor 80 Jahren die Voraussetzung für unsere Ordensgründung gebildet haben, auch heute noch zurecht bestehen und ob das uns gesteckte Ziel das einzig erstrebenswerte ist. Aber auch den überzeugten Ordensbrüdern kann sich die Frage aufdrängen, ob wir stets alles getan haben, um den Grundlagen unseres Ordens weitere Verbreitung und tiefere Bedeutung zu verschaffen und ob wir das uns gesteckte Ziel stets im Auge behalten haben. Die Zeit, in der wir leben, hat fast auf allen Gebieten menschlichen Seins Veränderungen hervorgerufen. Die Grundlagen großer Reiche sind teils verschwunden, teils ins Wanken geraten. Diese äußeren Umstände konnten nicht ohne Wirkung auf uns bleiben. Der Festredner deduziert dann aus dem Einführungsrituale, daß Wesen, Zweck und Ziel unseres Ordens mit den Prinzipien des sittlichen Idealismus identisch seien. Die technische und materielle Kultur ermögliche es nicht, daß die Menschen über eigene Lebensprobleme nachdenken. Doch nur aus diesem Nachdenken können Kräfte entstehen und erstarken, die etwas gegen das Elend der Jetztzeit vermögen. Der Redner fragt dann, was sitdiche Weltanschauungen seien und was sie bedeuten. Ein Leben, das sich allein nach Grundsätzen richtet, würde mangelhaft sein. Es fehle ihm der Schwung, die Begeisterung und Freiheit, die das Charakteristische sittlichen Lebens sei. Das Lebensziel sei je nach den verschiedenen Weltanschauungen verschieden. So erblicke es der sittliche Idealismus in der Veredlung und Vervollkommnung der Menschen. Wollen wir aber ein umfassendes Lebensziel konstruieren, so ergeben sich zwei Möglichkeiten: Leben heißt empfangen und leben heißt schaffen. Das eine müsse aber das andere ergänzen. Wir werden niemandem zugestehen, daß er in Wahrheit lebt, wenn er nicht in irgend einer Richtung ein Schaffender ist. In der Wertung zwischen Empfangen und Schaffen wurzle aber das Wesen der verschiedenen Weltanschauungen. Mit den Gründern unseres Ordens können auch wir uns auf den Boden jener Weltanschauung stellen, die das Schaffen höher bewertet als das Empfangen.

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