B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 10 (12.1923)
- Date
- 1923-12-01
- Page
- Seite 237 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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237 Ich habe in diesem Aufsatze versucht, in objektiver Weise die Vorzüge und Fehler zweier Bücher darzustellen und kann nur resümierend wiederholen, daß beide Werke Wertvolles enthalten und jedem, der sich für die Rassenfrage, welche Stellung er auch einnehmeil mag, interessiert, wärmstens empfohlen werden können.*) ■■■■■■■■HHHHH Friedrich August Herrmann. Ein Nachruf von Expräs. Dr. Feith. Wie 3 Doppelhammerschläge dröhnt der Name in seinem urdeutschen Klang. Wenn das alte Wort Recht hat: nomen est omen, so kann der Name hier als Symbol der Persönlichkeit des verblichenen Bruders gelten. Hammerfest war der Charakter Herrmanns. Er kannte, soweit es seine Person betraf, keine Zugeständnisse. Aus einer innern Motivierung entsprang sein Handeln. Besonders entwickelt war das Rechtsgefühl in Herrmann. Nicht allein, daß er ein genaue» Kenner des gesetzten Rechtes war, der Zwangsnormen, die der Staat aufstellt, sein Rechtsgefühl war aus einer innern Harmonie geboren, es war der Ausdruck eines seelischen Gleichgewichtsgefühles. Jedes Unrecht, das einem Mitmenschen zugefügt wurde, störte Herrmanns seelisches Gleichgewicht und verursachte ihm fast ein körperliches Unbehagen. Wollen wir den Grundzug seines Wesens auf die kürzeste Formel bringen, so können wir sagen: Selbstbeherrschung und Treue waren die Säulen seines Charakters. Die Selbstbeherrschung ließ ihn oft phlegmatisch erscheinen. Herrmann erwog reiflich, ehe er ein Urteil abgab. Hatte er aber sich eine Meinung gebildet, dann verteidigte er sie mit Beharrlichkeit, und dann zeigte sich, daß unter der Hülle äußerer Ruhe der Funke der Leidenschaft in ihm glühte. Mit dem geraden Verstand vereinigte er tiefes Mitgefühl für den Nächsten. Für ihn galt die ethische Formel, wie sie Coudenhove-Calergi in seiner Ethik-Hyperethik aufstellt: Ich Du, Ich und Du sind weniger als Wir. Diesen Altruismus übte er besonders in unserem Bund. Zwangsläufig führte der Altruismus ihn an die Spitze der jüdischen Waisenheime in Brünn. Die Waisenkinder waren seine erweiterte Familie. Er führte ihn auch an die Spitze des Freitischvereines, für den Herrmann mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit eintrat. Als ich einmal der Schließung des Freitischvereines das Wort redete, weil die Umwertung der Werte zu Ungusten des Intellektualismus die Voraussetzungen seines Bestandes abgrub, wie erglühte da Herrmann für seinen Schützling und mit welcher Wucht wies er die Zumutung zurück, daß die Moravia ihr Kind im Stiche lasse! Diesem Eifer fügte ich mich, und Herrmanns Anschauung drang einmütig durch. Man kann sagen: Der Verstand wies da Herrmann die Wege, sein liebevolles Herz drängte zu opferwilliger Tat. Sein zweiter Gründzug die Treue: das ist sein Zusammenhang mit der Vergangenheit. Herrmann war ein lglauer Kind. An seiner Heimatstadt hing er noch als gereifter Mann, da er längst der heimatlichen Scholle entwachsen war. Als ihi.i infolge des neuen Heimatsgesetzes des Heimatsrecht in Iglau aberkannt wurde, da stellte er die Bitte, die Stadt Iglau möge ihn als Angehörigen belassen. Diese Treue bewies er dem Glauben seiner Väter, er bewies sie auch der Kulturgemein- *) Die Red. entsprach gerne dem ihr aus Brüderkreisen zugegangenem Wunsche, obiger Kritik einen breiteren Raum zu gewähren. Obwohl es kaum notwendig erscheint, den meist subjektiven Standpunkt der Kritik besonders zu betonen, sei doch erwähnt, daß hier ,,für und wider" vielleicht doch stärker als sonst vom Gefühle diktiert sind; nicht nur der Rassenbegriff, sondern auch die Wertung von „Merkmalen und Eigenschaften" als Rasse n-Merkmale wird wohl ohne Heranziehung biologischer Gesetze und Erfahrungen nicht genügend scharf zu definieren sein.