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B'nai B'rith · 1923-12-01 · 10 (12.1923) · p. Seite 235

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
10 (12.1923)
Date
1923-12-01
Page
Seite 235 (sequence 17)
Language
German
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235 In dieser populären Form liegt die Stärke, aber zugleich auch die Schwäche dieses Werkes. Kahn bringt nur den Rahmen, die große Perspektive, ohne sich in Einzelheiten zu verlieren. Dieser Fehler wird in dem zweiten genannten Werke vermieden. Wenn das Buch von Kahn sich vorwiegend an die Juden selbst wendet und dem Juden einen Spiegel vorhält, in welchem er sein wirkliches Antlitz, nicht die von den Antisemiten gezeichnete verzerrte Grimmasse sieht, so ist das Buch von Goldstein in erster Iyinie eine Kampfschrift über die Juden für Christen. Goldstein hat sich seinem christlichen Publikum gegenüber dadurch eine Legitimation zu verschaffen gesucht, daß er sich von einem richtigen evangelischen Dizenziaten Dr. Heinrich Frick eine gutgemeinte Vorrede schreiben ließ. Goldstein vermeidet den Fehler Kahns, Einzelheiten bei dem Blick in die Weite beiseite zu lassen, er bringt eine Fülle von wissenschaftlichem Material, zahlreiche Zitate aus verschiedenen Publikationen und die verschiedenartigsten Beispiele aus der Literatur und der Politik zur Unterstützung seiner Thesen. Das Ziel, welches sich Goldstein steckt, ist nicht so weit, wie die Ziele Kahns. Goldstein will nicht den Kulturwert der Juden im Verhältnisse zu andern Völkern untersuchen, sondern er will nur die Fragen untersuchen, worin die eigenartige Färbung der Antisemitenpartei besteht, ob die Rasse das maßgebende Merkmal der Nation ist und ob es bestimmte Rassenmerkmale des semitischen Geistes gibt. Goldstein hat, wenn er von Antisemitismus spricht, stets nur den deutschen Antisemitismus vor Augen. Wenn er von Rassengegensätzen spricht, so meint er damit den Gegensatz zwischen Deutschen und Juden, oder zwischen Deutschen und andern Völkern. In diesem Zusammenhange bringt er sehr interessantes Material, welches für die noch zu schreibende Geschichte des deutschen Antisemitismus und für die Rassenpsychologie von Bedeutung ist. Goldstein stellt nämlich die Theorie auf, daß die Methodik des deutschen Antisemitismus genau die gleiche ist, wie die Methodik des „Antiteutonismus", das heißt jener deutschfeindlichen Bewegung, welche während des Krieges und nach dem Kriege sich auf die Behauptung stützte, daß die Deutschen zufolge ihrer Rasseneigenschaften eine Menschen- Gruppe seien, welche nur destruktive Tendenzen verfolge und kein kulturell wertvolles Element darstelle. An der Hand von Zitaten, Beispielen aus der Journalistik und Broschüren zeigt nun Goldstein, daß die Hetze, welche die deutschen Antisemiten gegen die Juden nach dem Kriege eingeleitet haben, mit dem gleichen Apparat und denselben Vorwürfen arbeiteten, wie ihre eigenen Gegner während des Krieges. Auch der Vorwurf, daß die Weltherrschaft angestrebt werde, fehlt in beiden Dagern nicht. In einem weitern Kapitel behandelt Goldstein die Entstehung und Ausbreitung der Rassentheorie und zeigt den Weg von der nationalen Idee zum Nationalismus. Er zeigt, wie jene Pseudowissenschaft, welche man heute als Rassentheorie bezeichnet, ihre Voraussetzung darin hat, daß die Menschen in edle und unedle Rassen eingeteilt werden. Da es keine rassenlosen Menschen gibt, so ist jeder Rassentheoretiker von vornherein befangen. Die Methode der Rassentheo-

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